ÖDÖN (reloaded)

Ödön von Horváth sagte: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“ und sprach mir damit unbekannterweise aus der Seele.

Ich bin nämlich eigentlich auch ganz anders. Oder ich sehe mich eigentlich anders, als ich bin. Oder ich wäre gern anders, als ich bin.

Zum Beispiel wäre ich gerne Weintrinker

Rotweintrinker um genau zu sein. Ich mag nur keinen Wein, ich verabscheue ihn sogar, was es außerordentlich erschwert. Außerdem hätte ich gerne einen Bart. Weil ich gerne ein Mann wäre. Weil männliche Schriftsteller und Künstler eine ganz andere Ausstrahlung haben und nie jemand zu ihnen sagt, sie sollen nicht so hysterisch sein. Das klingt sehr erstrebenswert und liegt sicherlich am Penis.

Eine Brille würde ich auch als Mann tragen, das gibt dem Ganzen so einen intellektuellen Touch. Aber ich würde rauchen. Pfeife denke ich. Oder Zigaretten wie Gauloises, weil’s so schön klingt. Goooluuuaaa.

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PROKRASTINATION (reloaded)

Es begab sich aber zu der Zeit.. und so fangen viele Märchen an. In diesem Fall fängt so eine Blog-Reihe an, die ich heute für eine bestimmte Zeit einläute. 

Ich blogge schon seit 2008, mancher Leser kennt eventuell den ursprünglichen Blog nicht und noch eventueller ist das auch nicht so schlecht. Da ich jedoch beabsichtige, den alten Blog in absehbarer Zeit zu löschen oder zumindest zu sperren, so dass der ganze Irrsinn der Jahre 2008-2013 nicht mehr lesbar sein wird, sollen einige Texte ihren Tod doch überleben und hier ihre Auferstehung feiern. Und zwar durch eben diese Reihe.

Vielleicht interessiert es Sie, wie alles begann. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es mir auch egal und ich mache das primär für mich und meine ganz eigene Internet-Zeitkapsel.

Es folgt ein kurzer Text, der allein schon deswegen aufhebenswert ist, weil er der erste war. Der allerallererste. Der weniger aus einer Schnapslaune, sondern wegen der Ermüdung angesichts einer drohenden Latein-Klausur entstand:

PROKRASTINATION
(16.09.2008)

>>Da es in Prüfungsphasen westeuropäische Sitte ist, sich sämtlichen, möglichen Ablenkungsmanövern bereitwillig hinzugeben und mein karges Heim inzwischen so sauber und aufgeräumt ist, dass ich nun jederzeit eine Delegation aus einem fernen Land bei mir bewirten könnte, wandte ich mich den fruchtbaren Weiden des endlosen Internets zu, um erneute Zerstreuung zu finden.

Meine Hartnäckigkeit sollte belohnt werden und so stieß ich auf dieses entzückende Medium, das dem Köpfchen, in welchem die Deklinationen und Konjugationen der lateinischen Sprache wie muntere Moleküle durcheinander sausen, Heiterkeit und weitere Ablenkung verspricht.

Nicht zu vergessen das Ego, denn für nichts anderes scheint eine eigene Website oder ein eigener Blog geschaffen worden zu sein: Um dieses nämlich zu streicheln und dann vor den Augen aller in die Öffentlichkeit zu schleifen und zu präsentieren:

SCHAUET HER. DIES BIN ICH!

Auch ich erliege dieser Versuchung und statt mich den Mysterien des participium coniunctum und des Gerundivums zu widmen, fröne ich meiner schonungslosen Selbstdarstellung in der Hoffnung zu gefallen.

Doch leider währt dieses virtuelle Amusement nur kurz, denn Caesar und Phaedrus geben mir mit ungestümen Gebrüll zu verstehen, dass sie meine post-pubertäre Trägheit nicht länger zu dulden gewillt sind und verweisen hysterisch auf den kommenden Freitag, an dem mein lateinisches Schicksal seine Erfüllung finden wird.

So füge ich mich angesichts der nahenden Klausur, schalte den Computer aus und schlage schmollend „De Bello Gallico“ auf..<<

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