Monatsrückblick | Mai 2017

Irgendwie ist es schwer vorstellbar, dass der Mai schon vorbei ist. Gefühlt war doch letzte Woche erst April und nun soll schon Juni sein? …

Ich war eine Woche krankgeschrieben. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Woche krankgeschrieben wurde. Ich weiß nur noch, auch das letzte Mal wäre es ein leichtes gewesen, länger als nur eine Woche aus dem Verkehr gezogen zu werden – und auch damals bin ich nach einer Woche wieder arbeiten gegangen. Warum weiß ich nicht. Vielleicht weiß ich es doch. Vielleicht ist es schlicht die Angst, man könnte während meiner Abwesenheit merken, dass ich ersetzbar bin und es eigentlich egal ist, ob ich da bin oder nicht … Vielleicht.

Kurz nach meiner Krankschreibung hatte ich Urlaub, der vorrangig darin bestand, in Zügen zu sitzen bzw. Zuhause Stromberg zu gucken, während meine Steuererklärung aus dem Nebenzimmer wütende, da wartende Flüche ausstieß.

Ansonsten bestand der Mai aus einer bemerkenswert belanglosen Wiederholung des ewig Gleichen. Die gleiche Unzufriedenheit über alles und jeden. Diese Art von Unzufriedenheit, die an einem nagt. Die ermüdet. Einen selbst und alle, denen man davon erzählen möchte, damit man nicht das Gefühl hat, man könnte sonst daran ersticken.

Aber wer weiß. Schließlich ist jetzt nicht mehr Mai. Jetzt ist Juni. Ein neuer Monat. Eine neue Möglichkeit, Dinge anders zu machen …

2016 | Jahresrückblick

Wenn das neue Jahr ansteht, neigt man ja dazu, nur noch darüber zu sprechen und über all das, was man in diesem Jahr alles anders machen wird. 50kg abnehmen. Mit dem Rauchen aufhören. Einen Marathon in 17 Minuten laufen. All so Sachen eben.

Und abgesehen von irgendwelchen Sendungen mit austauschbaren Moderationsgesichtern wie Jauch, Pilawa und Lanz, die einem nochmal aufzählen, welcher Promi alles so gestorben ist, welches Schicksal (gerne was mit Kindern oder Welpen) uns dieses Jahr besonders mitgenommen hat und wo es das schönste Happy End des Jahres gegeben hat (gerne was mit schwerer Krankheit und Heiraten), befassen wir uns irgendwie recht ungern mit dem Jahr, das ab Dezember in seinen Endzügen siechend vor einem lag.

Also mit dem, was wir selbst in den vergangenen zwölf Monaten so gemacht haben. Denn unabhängig von den ganzen Promis, die 2016 verblichen sind, ist man selbst es ja nicht. Also verblichen. Und wenn man sich noch einmal so vor Augen führt, was man in 12 Monaten so alles gemacht, erlebt, gefühlt und gesehen hat, ist das gar nicht mal so wenig.

Halten wir also einen Moment inne für eine Ruheminute für das jüngst von uns gegangene Jahr, in dem zumindest ich eine ganze Menge gemacht habe.

  • Ich habe meinen Job gekündigt.
  • Ich habe Berlin und viele tolle Menschen verlassen. Also erneut. Also endgültig. Also vermutlich.
  • Ich habe einen neuen Job angefangen.
  • Ich habe das erste Mal zu 100% als Selbstständige gearbeitet.
  • Ich habe mich das erste Mal seit Jahren wieder in einem Fitnessstudio angemeldet. (Lachen Sie jetzt nicht!)
  • Wir sind das erste Mal zu dritt in Urlaub gefahren.
  • Ich habe wieder einmal festgestellt, wie schön es am Meer ist und dass wir viel öfter den vergleichsweise kurzen Weg von Hamburg an die Nordsee machen sollten.
  • Ich habe viel geweint.
  • Ich habe viel an mir gezweifelt.
  • Ich bin das erste Mal laufen gegangen.
  • Ich hatte große Angst, dass ich beim Laufen einfach sterbe und man mich dann im Leichenschauhaus in meinen lächerlich neonfarbenen Joggingklamotten identifizieren muss.
  • Ich habe herausgefunden, dass man an Seitenstichen gar nicht sterben kann.
  • Ich habe das Buch fast fertig geschrieben.
  • Ich habe zwischendurch noch mehr geweint.
  • Ich habe noch ein bisschen mehr an mir gezweifelt.
  • Ich habe währenddessen krass viel zugenommen.
  • Ich habe deswegen auch ein  bisschen geweint.
  • Ich habe einen Vertrag unterschrieben, um ab 1.1.2017 wieder als „Feste“ zu arbeiten.
  • Ich habe das erste Mal einen Kindergeburtstag veranstaltet, mit allem Pipapo und mich arg gewundert, warum Amnesty International sowas nicht verbietet.
  • Wir haben Weihnachten das erste Mal nicht in der Heimat bei der Familie, sondern Zuhause mit der eigenen Familie allein verbracht.
  • Und vor allem: Ich habe überlebt. Im wortwörtlichen Sinne.

Im Detail war da ganz schön viel Scheiße in meinem 2016. Viel Wut und Frustration. Aber ich stehe noch. Laufe noch. Wenn auch etwas schwerfälliger und dicker als vor einem Jahr. Aber egal, wie beschissen die Details und kleinen Momente auch waren, das große Ganze zeigt mir dann doch, wie viel ich aushalten kann. Und dass ich stärker bin, als ich im einzelnen Moment vielleicht denke.

Und das ist doch ein ganz okayes Fazit für 2016.

Foto 30.12.16, 16 52 38