2015 | Woche 48

Was wäre meine Woche ohne meinen mittelalterlichen EC am Montag Morgen? Auch an diesem Tag darf ich wieder mit diesem eigentümlich rustikalen Gefährt meinen Weg gen Berlin antreten. Und – wie, um mich auf das Ziel schon während der Fahrt vorzubereiten – wartet er dieses Mal mit penetrantem Uringeruch und ausgefallener Heizung auf. Na ja, Montag eben.

Am Dienstag fahre ich nach Feierabend zum KaDeWe. Offensichtlich nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, denn um diese Uhrzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Kommerz-Hochburg der Berliner Touristen zu fahren, grenzt an Suizid-Fantasien. Aber ich habe keine Wahl, denn mich friert es.

Dass mein Kaufverhalten generell nicht von überbordender Intelligenz gekrönt ist, beweise ich direkt erneut am Mittwoch Abend, als ich völlig ausgehungert mal eben schnell zum Edeka gehen will, um Milch und Brot zu kaufen – und drei Stunden später mit Marzipanbrot (hey, Brot ist Brot!), Vitamalz, Katjes, Lebkuchen, Schokpudding, drei verschiedenen Tiefkühl-Pizzen und 8kg Gewürz-Spekulatius den Laden wieder verlasse. Hungrig einkaufen gehen! Als. Wäre. Ich. Eine. Völlig. Fremde. Für. Mich.

Die Milch habe ich übrigens vergessen.

Highlight des Donnerstags und damit auch der gesamten Woche ist aber, als ich mich in der Mittagspause – wie ein Meth-Junkie, heimlich und gepeinigt von Scham und Selbsthass – zum Hotdog-Laden um die Ecke schleiche und – wie dieser Schlemihl aus der Sesamstraße – auf die Frage „Die Wurst aus Fleisch?“ mit „SSSSSHHHHH! Ja, genau….“ hinter meinen Mantelkragen hauche. Als wenn mein Zittern und die blutunterlaufenden Augen nicht Antwort genug gewesen wären.

Freitag ziehe ich mir dann vorrangig die dritte Staffel Hannibal durch die Gehirnwindungen, um darüber eine Kritik zu schreiben. Aber letztlich ist das Fazit jeder einzelnen Folge lediglich: „Ich sollte unbedingt viel öfter kochen!“

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Während der abendlichen Zugfahrt nach Hamburg, die wie gewohnt ein Fest ist, überwiegen die Mordfantasien dann aber schnell die Kochfantasien.

Da ich ja durchaus hin und wieder dem Klischee-Mami-Teil fröne, verbringe ich den Samstag größtenteils damit, einen Adventskalender zu basteln, einen atheistischen Adventskranz (fragt bitte nicht…) zu frickeln und mit dem Lütten Kekse zu backen – die aber allesamt etwa 15 Minuten, nachdem sie aus dem Backofen gekommen waren, auch schon ihren Weg in unsere Mägen gefunden haben. Circle of life und so!

Um das Kinderprogramm abzurunden, geht es am Sonntag ins Marionettentheater. Es gibt Kalif Storch von Hauff, einen völlig begeisterten Dreijährigen auf meinem Schoß und eine 40-jährige, fremde Frau ohne Kind, dafür aber mit rasselndem Atem und dem Bedürfnis mir sehr, sehr nahe zu kommen, neben mir.

Im Großen und Ganzen würde ich also sagen: Die kommende Woche kann nur besser werden…

ADVENTSKRANZ 03

2015 | Woche 47

Der Wecker klingelt um 4.30h und damit wäre zum Montag eigentlich alles gesagt. Wäre da nicht die Tatsache, dass das anormal frühe Aufstehen von einer Fahrt mit dem EC gekrönt wird. Es ist das dritte Mal, dass ich mit diesem EC fahre. Sein Endziel ist Budapest und so sieht er auch aus. Jedes Mal.

Aber, ob man nun mit der U12 von Schöneberg nach Friedrichshain oder mit einem ungarischen EC aus den Achtzigern von Hamburg nach Berlin fährt, macht hygienisch gesehen letztlich auch keinen großen Unterschied.

Um das Trauma des Vortags besser zu bewältigen, fahre ich am Dienstag zu Ritter Sport und lasse mir für den Preis eines Kleinwagens Schokolade nach Wunsch herstellen. Okay, vielleicht für den Preis eines nordkoreanischen Kleinwagens, aber immer noch.. Aber wer Zartbitter-Schokolade mit Marshmallows und Smarties haben will, muss eben mal etwas tiefer in die leeren Taschen greifen. Stichwort: Gönn dir!

Mittwoch Abend gehen alle Kollegen zusammen aus. Das inkludiert mich offenbar. Wir gehen in ein Restaurant, in dem das vegetarische Essen bäh ist und das Fleisch mjammi. Ich möchte das an dieser Stelle nicht weiter ausführen, aber der Abend war recht mjammi.

Und da das mit den sozialen Interaktionen ja aktuell so flutscht, gehe ich Donnerstag nach der Arbeit noch einmal mit einer Freundin essen. Auf ihre Frage, ob in meiner Chili con carne Fleisch drin sei, sage ich, so genau könne man das jetzt nicht sagen und ein Teil der Antwort würde sie sicher nur verunsichern.

Freitag Abend geht es wieder nach Hamburg, wobei die Einsteige- und Hinsetztaktik einer größeren Senioren-Reisegruppe mich arg an einem Status des Homo sapiens als vermeintliche Krone der Schöpfung zweifeln lässt. Aber streng genommen habe ich diese Zweifel ohnehin jeden Tag.

Doch all das ist nichts gegen den Kindergeburtstag, auf den ich am Samstag muss darf. Ich und gefühlt 68 andere Eltern. Bei geschätzt sieben Kindern. Offenbar sind Eltern wie Amöben oder Bettwanzen – passt man nicht auf, vermehren sie sich und hocken in jeder Ritze, ohne dass man wirklich weiß, wieso… Leider hatte ich kein Insektenspray oder ähnliches dabei. Wäre vielleicht auch kontraproduktiv, bin ich ja selbst eine der genannten Amöben.

Sind Amöben eigentlich Rudeltiere?

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Gott sei Dank regnet und schneit es fies und unbarmherzig am Sonntag und ich brauche mir keinen Grund – oder wie der Mann es nennt „Ausrede“ – zu überlegen, warum ich nicht rausgehen will. Ich weiß ohnehin nicht, woher dieser Irrglaube kommt, sonntags das Haus verlassen zu müssen. Wenn man frische Luft will, kann man schließlich ein Fenster öffnen. Dafür wurden diese Dinger in Abgrenzung zur Haustür ja erfunden!