Sonntagsmenschen

Ich glaube, es gibt zwei verschiedene Arten von Sonntagsmenschen:

Die, die gut gelaunt aus dem Bett hüpfen, sich hübsch machen und zum Brunchen mit Freunden gehen. Oder einen munteren Spaziergang über den Flohmarkt machen, wo sie zwanzig Jahre altes Porzellan mit Goldrand und neckischen Blumen drauf kaufen – oder einen verspielten Jugendstil-Tisch fürs Wohnzimmer, auf dem in den kommenden Monaten immer die Blumensträuße für Instagram pompös inszeniert werden.

Mittags isst man vielleicht einen leichten Salat mit einer proteinreichen Beilage, vielleicht Riesengarnelen oder frischen Bio-Lachs, und nachmittags legt man sich mit einem Buch in den Park, mit der Biographie von Lena Dunham oder einem dieser Gedichtbände in dem pro Seite immer nur sehr deepe, kurze Verse stehen („Dreams are only the direction, Life is the road„), die einem so sehr zum Nachdenken anregen, dass man ständig innehalten muss.

Man genießt das Vogelgezwitscher und die Sonnenstrahlen. Zwischendurch holt man sich vielleicht ein Eis oder eine Rhabarberschorle, bevor man den Abend ausklingen lässt mit einem Weißwein, Wirsingchips und einem guten Gespräch auf dem Balkon.

Und dann gibt es mich.

Die um sieben laut eskalierend aus dem Bett springt, rummault, warum zur Hölle alle so laut sind, zurück ins Bett stampft, sich leise motzend Oropax reindrückt und die debil aussehende Schlafmaske aufsetzt, weil sie den Versuch unternimmt, wieder einschlafen zu wollen.

Vielleicht gelingt das sogar, aber dann träumt man nur von Geschlechtsverkehr mit ehemaligen Kunstlehrern oder dass man bei Hannibal Lecter zum Dinner eingeladen wird und beleidigt ist, weil er einen nicht essen will. Also wacht und steht man wieder auf, läuft den restlichen Tag gerädert durch die Wohnung, schließt überall die Rollos, die der Mann in einem grotesken Anflug von „Carpe Diem!“ aufgerissen hat und reagiert auf die immer wieder aufkommende Frage, was wir heute machen wollen bzw. ob ich mit raus will bzw. ob ich mir heute noch eine Hose anziehen will, lediglich mit einem sarumanhaften Lachen.

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Vermissen

Ich vermisse Hamburg. Mein Zuhause. Meine Familie. Die Wellen, die im Hafen gegen die Mauern tosen. Den Wind, der einen über die Bürgersteine wirbelt. Der Regen, der mal lauter und mal leiser, aber nie wirklich weg ist. Die einmalige Dankbarkeit, mit der man jedem Sonnenstrahl begegnet. Die Möwen, die überall und das Hamburger Äquivalent für Tauben sind. Die Schiffe, die großen, die kleinen und die ganz großen. Die Spaziergänge und das Gefühl von Weite inmitten der Stadt. Die Alster mit ihren Gänsen und Schwänen und Unmengen an Joggern. Der Glitzer und das Tamtam rund um Jungfernstieg und Mönckebergstraße. Die schmuddeligen Bars und wohlig duftenden Cafés an der Schanze. Diesen kleinen Landstrich am Leuchtturm, an dem die Containerschiffe so nah sind, dass man sie fast berühren kann. Und das Staunen und die Begeisterung für all das in den Augen meines Sohnes.

Ich vermisse Hamburg.

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