Tierklinik statt RTL

Eigentlich wollte ich letzten Mittwoch Abend Mario Barth deckt auf! gucken. Einfach auf dem Sofa abhängen, links neben einem Nachos mit Käse-Dip, rechts neben einem zwei Hunde, die sich darüber streiten, wer als nächstes zwischendurch gestreichelt wird, vor einem der Laptop, bereit, meine sicherlich ambivalenten Gefühle, die ich während der Sendung haben würde, in schöne, konstruktive Worte für den Blog zu verpacken.

Aber es kam anders.

Am Morgen wollte der Lütte nicht in die Vorschule. Er klagte über Kopfschmerzen (was ich ihm nur mäßig abnahm) und andere Dinge. Er blieb also zuhause. Irgendwann waren die Kopfschmerzen (Überraschung!) wieder verschwunden und er fand auf der Küchentheke Seifenblasen, die ich eigentlich zum Aussortieren dorthin gestellt hatte. Ob er Seifenblasen machen dürfe, fragte er. Natürlich, sagte ich, aber bitte im Garten, weil das in der Wohnung gerne eine mittelprächtige Schweinerei gäbe. Er tat wie geheißen. Artiges Kind.

Kurz danach war das Seifenblasendöppchen leer und wir saßen mit den Hundis zusammen, als Pepper plötzlich kotzte. Kann passieren bei Hunden. Dann kotzte sie noch einmal. Und noch einmal. Ich überlegte fieberhaft und fragte den Lütten, ob sie vielleicht auf dem Boden zerplatzte Seifenblasen aufgeleckt hätte. Er bejahte zögernd. Ich fing, wie jeder normale, durchschnittlich dumme Mensch an zu googeln.

Pepper kotzte erneut.

Der Lütte kam und beichtete mir, dass er Seifenblasenwasser in den Napf getan hätte. In so einem Moment nicht komplett auszurasten, gehört vermutlich zu den Königsdisziplinen als Mutter. Während Pepper wieder kotzte und dazu sabberte wie ein ausgewachsener Boxer, rief ich beim Tierarzt an, kündigte uns an und raste los.

Pepper hingen riesige Speichelfäden wie Eiszapfen von den Lefzen, sie gab keinen Mucks von sich, ein einziges Häufchen Elend. Weil sie schon so oft erbrochen hatte, wurde kein künstliches Erbrechen herbeigeführt. Und weil es sich um Lauge handelte, konnte nicht gespült werden, weil man sonst Gefahr läuft, die Lauge noch an Ecken im Hund zu verteilen, wo sie vorher gar nicht war. Sie bekam Schmerzmittel, etwas gegen die Übelkeit und wurde an den Tropf gelegt. Sie lag dabei auf meinem Schoß, der von Minute zu Minute nasser wurde, und ertrug alles stumm.

Ich sollte am nächsten Tag wiederkommen, man müsse abwarten, wie sich ihr Zustand verändert. Um sicher zu wissen, ob, was bzw. wie viel durch das Laugenwasser verätzt wurde, müsse man ggf. eine Spiegelung machen. Von außen sei das unmöglich zu sehen. Wenn ich das Gefühl hätte, dass sich ihr Zustand verschlechterte, müsste ich nochmal in die Notfallklinik.

Nach zwei Stunden waren wir endlich zuhause

Erst im Laufe des nächsten Tages kann sie etwas essen. Ansonsten schläft sie fast ausschließlich. Sie bekommt noch einmal Spritzen gegen die Schmerzen und ich lasse jede Nacht das Licht an, um direkt nach ihr schauen zu können – wenn ich etwa 37-mal aufwache, um sicherzustellen, dass sie nur sehr flach atmet und nicht etwa schon tot ist.

Nach fünf Tagen bellt sie das erste Mal wieder. Die Stille in den Tagen zuvor war geradezu angsteinflößend. Nun geht es ihr mit jedem Tag besser, mein Herz wird mit jedem Tag ein wenig leichter und ich lasse mich inzwischen dazu hinreißen, von nun an optimistisch sein zu wollen.

Es ist immer wieder seltsam, wie schnell der Alltag plötzlich stehen bleiben kann. Wie von einer Sekunde auf die andere man nur noch reagiert und warten muss, was als nächstes passiert. Und welche enorme Erleichterung man verspürt, wenn man das irreführende Gefühl bekommt, wieder mehr Kontrolle zu haben. Bis zum nächsten Mal.