Time To Say Goodbye

Irgendwann im Spätsommer 2012 habe ich dich gekauft. In Hamburg. Viel zu teuer warst du und ich eigentlich viel zu geizig – schließlich solltest du nur ein paar Monate bis zur Geburt im Einsatz sein. (Ha haha..)

Aber seien wir ehrlich: Auch im 21. Jahrhundert sind Schwangerschaftsklamotten oft eine stoffgewordene Ausgeburt an Unförmig- und Hässlichkeit. Als hätte sich Ulla Popken mit einem blinden Mode-Designer für Wale zusammen getan.

Also kaufte ich dich in dem einzigen Laden, in dem es richtig geil sitzende Klamotten für Frauen mit einem mutierten Riesenkürbis unter den Brüsten gibt. Und letztlich war ich heilfroh, dass ich dich hatte.

Du hast mich – die sich nur noch wie eine adipöse Seekuh schwerfällig durch die Landschaft mäanderte – davor gerettet, dies in einer ausgebeutelten, unförmigen Jogginghose machen zu müssen. Du hast meinen fleischigen Leib verhüllt und gekleidet, ließest Tag für Tag über dich ergehen mit mir zusammen in der Öffentlichkeit gesehen zu werden.

In den letzten Wochen wusch ich dich nicht mal mehr, aus der grausamen Vorahnung heraus, dass ich anschließend vermutlich nicht mal mehr ein Bein in dich hinein bekäme.

Und du verziehst mir.

Am Ende gingen wir ziemlich genau zwei Jahre miteinander. Denn das mit dem Wieder-Abnehmen erwies sich schnell als nicht so einfach.
Zumindest nicht so einfach wie es Heidi Klum einem gerne immer vorgaukelte. (Erstick an deinem Big Mäc, Heidi!)

Ich ließ deinen Stoffteil am Bauch umnähen und genoss den Nierenwärmeneffekt im Winter und den generellen Arschschlitzsichtschutz beim Bücken im Alltag.

Aber nun ist es soweit: Nach über zwei Jahren wird es Zeit Abschied zu nehmen. Mein Po ist zu klein für dich. Dein Stoff schlackert lustig um meine Beine und seien wir ehrlich: Ich sehe inzwischen ziemlich behämmert aus, wenn ich dich trage.

Deswegen.

Danke. Und leb wohl.

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