Urlaub: Tag 02

Liebes Tagebuch,

endlich in Bonn! Dieser wunderschönen Metropole am Rhein, dieser traumhaften Großstadt, meiner Geburtsstätte. Hier hat sich nicht viel verändert. An meinem Stamm-Crêpes-Stand steht lediglich ein mir fremder Mensch, dem ich sagen muss, was auf meinen Crêpe soll, weil er es nicht weiß, weil ich nicht mehr hier wohne und jeden Tag eine Crêpe kaufe. Das macht meinen Besuch in dieser „Stadt“ um ein vielfaches anstrengender.

Außerdem gibt es immer noch keinen Dunkin‘ Donuts und du weißt ja, das Einzige, was mich vergessen ließe, dass ich hier bin, wäre ein weicher, süßer Bavarian Creme.

Stattdessen kaufen wir mit dem Antichristen Sandalen. Wobei ich stark davon ausgehe, dass selbst Herkules hingeschmissen hätte, wenn er bei seinen Prüfungen – statt Rinder-Ställe ausmisten oder Monster besiegen – mit einem Vierjährigen hätte Schuhe kaufen müssen.

Um die Tristesse des Ortes noch mehr zu verdeutlichen, sind wir anschließend zum Birkenstock Outlet nach Hennef gefahren. Jahahahaha. Birkenstock hat ein eigenes Outlet. Was es in den Augen des Bonners vermutlich zum rheinischen Pendant von Prada & Co. macht.

Dort habe ich mir [dramatische Pause] [noch eine dramatische Pause, weil ich finde, dass eine dramatische Pause hierfür nicht ausreicht] goldene Birkenstock gekauft. Gol-de-ne Bir-ken-st-ock.

Natürlich kann man sich durchaus die Frage stellen, was genau einen dazu verleitet, sich güldene Birkenstock zu kaufen. Und es bleibt nachfolgenden Generationen, zu entscheiden, was das wirklich Schlimme an dieser Episode meines Lebens ist: Bonn, goldene (Birkenstock) oder Birkenstock (als solche).

Dennoch sehe ich diesen Kauf durchaus als einen geradezu heroischen Akt. Als ein Fanal des Aufbegehrens, des Kämpfens für eine Randgruppe, eine Minderheit, die seit meiner Kindheit diskriminiert, gemobbt und wie Paria behandelt wird: Die Gesundheitsschlappen-Träger. Mutige Menschen mit nicht soliden Fußbetten, Knickfüßen und Hammerzehen, denen ein Leben mit Ballerinas & Co. von ihren Orthopäden grausam verwehrt wird!

Für all diese armen Menschen trage ich von nun an diese Birkenstock! Für sie und mein Fußbett, das laut meines Orthopäden quasi in sich zusammengebrochen ist.

[Und falls mir jemand dumm von der Seite kommt, führe ich von nun an immer eine kleine Taschenlampe mit mir, damit ich damit die Birkenstock anleuchten und mein ätzendes, mobbendes Gegenüber blenden kann. Haha. Hahahaha. Könnte ich zwar auch direkt mit der Taschenlampe, wäre aber nicht so aufsehenerregend.]

Liebes Tagebuch, du siehst, mein Aufenthalt in der traurigsten Ex-Hauptstadt der Welt gestaltet sich bisher unbeschreiblich spannend. Kaum auszumalen, was sich in den folgenden Tagen noch so ereignen wird!

[Hier dramatische Cliffhanger-Musik vorstellen.]