Weniger Stress … am Arsch

Kürzlich sagte eine Dame im Radio – Radio, das kennt vielleicht nicht mehr jeder, Radio, das ist sowas wie ein Podcast in Endlosschleife, nur dass man sich eben die Hosts und die Musik und die Themen nur bedingt aussuchen kann -, dass sie glaube, dass der Vorteil an diesem Weihnachten sei, dass wir ja alle vermutlich viel weniger Stress haben würden.

Da horchte ich natürlich auf. Denn wenn wir eines nach den vergangenen 11 Monaten gebrauchen können, dann ist das ganz sicherlich weniger Stress. Also ich zumindest.

Weil, führte die Dame weiter aus, wir ja dieses Jahr um diesen ganzen Oh Gott ich muss noch in die Stadt und Geschenke kaufen, warum zur Hölle ist es nur so voll hier, ich hasse alles, aber vor allem dich Baby-Jesus!!-Stress herumkämen.

Weil wir ja dieses Jahr wegen Corona das Meiste online bestellen würden und es easypeasy nach Hause käme. (Okay, sie hat nicht easypeasy gesagt, but who cares.)

Ich bin nicht sicher, in welcher Welt die Dame lebt, aber es muss dort sehr schön sein.

Ich vermute, keiner ihrer Verwandten oder Bekannten arbeitet bei DHL, Hermes oder Amazon und kotzt in der normalen, coronafreien Weihnachtszeit schon derbe ab.

Ich vermute, dasselbe gilt in Bezug auf diese Post-Kiosks, die ja ohnehin in der nicht-weihnachtlichen Corona-Zeit schon aus allen Nähten platzten und nun endgültig zu einem Mahnmal des globalisierten Kapitalismus und munteren Sammeldepot des sicherlich kurz vorm Burnout stehenden Weihnachtsmannes mutieren.

Aber vor allem gehe ich davon, dass die Dame den ganzen Tag zuhause ist.

Und auf die Pakete, die sie alle so unfassbar stressfrei online bestellt hat, warten kann. So dass eben kein Zusteller erfolglos an ihrer Tür klingelt, das verkackte Paket wieder zurück zum Wagen tragen muss, um es zur nächsten Poststelle zu bringen, wo ein bestenfalls mittelmäßig qualifizierter Mitarbeiter zwanzig Minuten danach suchen muss (Wissen Sie ob das ein großes Paket ist oder ein kleines? Und es ist auf Ihren Namen?), nachdem man selbst eine gefühlte Stunde draußen in der Schlange warten musste, weil sich wegen Corona nur maximal drei Personen im Kiosk aufhalten dürfen. Wahrscheinlich hat man kleinere Extremitäten aufgrund der Kälte inzwischen verloren, von den Nerven ganz zu schweigen, aber hey, zumindest war das Ganze nicht so stressig.

Und nun entschuldigt mich, ich muss ein Paket abholen.