What would Jesus do?!

Sie werden es schnell selbst merken: Das nun Folgende trug sich schon vorletzte Woche Mittwoch zu. Ich hätte es gerne schon eher online gestellt, aber ich war entkräftet. Wieso.. lesen Sie hier.


„Wann beginnt nochmal die Fastenzeit?!“ brülle ich aus dem Arbeitszimmer, sprich meinem Schreibtisch im Wohnzimmer, in die endlichen Weiten der Wohnung. „Keine Ahnung.“ grummelt es halblaut von irgendwo zurück. „Scheiss Heiden. Zu nix zu gebrauchen.“ murmle ich und wähle die Nummer meiner Vorzeigechristin, aka das Omatier, die sich sicherlich freut heute zum siebten Mal von mir auf der Arbeit angerufen zu werden.
Aber ich mache das ja nicht zum Spaß. Es ist wichtig, so wie nun mal alles wichtig ist, was mit mir zusammenhängt. Außerdem hätte sie sich das mit dem Kinderkriegen früher überlegen sollen, statt sich nun zu beschweren, dass ich sie ständig wegen Nichtigkeiten bei der Arbeit störe. Pah. (Notiz an mich: Meinem Sohn später nicht meine Telefonnummer vom Büro geben.)

„Wann ist Fastenzeit?“ begrüße ich sie. Nicht „Hallo!“ oder „Sorry, ich bin’s nochmal.“ „Ab heute.“ antwortet sie. „Oh.“ sage ich schlicht und denke „Das ist jetzt aber dumm“, während ich auf den Amerikaner starre, der mich mit seiner spermizithaften Glasur fröhlich anlacht.

„Heute ist schon Aschermittwoch?“ „Ja.“ „Verdammt. Tschüss.“

Ich hatte eigentlich spontan die Idee, um nicht zu sagen die Eingebung, dass ich in den 40 Tagen ohne Süßes auskommen wollte. 40 Tage kein Nutella. Kein Kakao mit Sahne. Kein Toffifee. Keine Fritz Limo. Kein warmer Schokopudding. Kein holländisches Nougat. Allein beim Aufzählen laufen mir feine Sabberfäden die Mundwinkel herunter.

40 Tage lang.

Zwar finde ich eigentlich, dass jeder Tag, an dem man sich selbst kasteit, maßregelt, einengt in ein selbst geschaffenes Korsett aus Vorschriften und hochtrabenden, da wohlklingenden Idealen, nicht richtig gelebt, ja verschwendet wird *steht auf*schreit irgendwas von HEDONISMUS FÜR ALLE ins Wohnzimmer*erntet seltsame Blicke*setzt sich wieder*, aber man kommt ja nicht umhin bei mir einen.. nun.. nennen wir es doch „leicht von der Norm abweichenden Konsum von Industriezuckerprodukten“ festzustellen.

Ja, Zucker, vor allem der weiße, fiese, macht mich an, er macht mich, in all seinen Variationen und Daseinsformen glücklich. Ihn zu konsumieren, zu schnabulieren, zu inhalieren, ihn in meinem kleinen Bäuchlein wie einen Schatz umherzutragen, macht mich glücklich(er).

Und so, meine Damen und Herren, genau so klingen Junkies mit Hochschulabschluss!

Da ich jedoch Abhängigkeiten, vor allem selbst geschaffene, noch weniger schätze als Vorschriften, schien mir die Idee zu versuchen 40 Tage auf Süßes zu verzichten, in der Theorie, als sie lose und unklar in meinem Kopf hin und her waberte, eine gute, um nicht zu sagen eine hervorragende zu sein.

Das war jedoch bevor ich wusste, dass heute schon Aschermittwoch ist (wie schnell doch die Karnevalszeit an einem vorbeifliegt, wenn man in der Anti-Faschings-Enklave Hamburg hockt) und ich mir einen frischen, saftigen, heilsbringenden Amerikaner geholt hatte, den ich just im Begriff war zu inhalieren.

Nun gut. Als guter Ex-Katholik frage ich mich, was würde Jesus tun, was mir raten?

„Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Menschen nicht!“
– Matthaeus 15,11

Ich finde, das klingt arg nach „Hau weg das Zeuch!“.
Ja, das ist ganz fies aus dem Zusammenhang gerissen, aber genau aus solchen Gründen bin ich ja auch nur Ex-Katholik und eben kein scheiss Papst.

Also rein mit dem Amerikaner und gemäß meinem Motto „Ich beginne eine Diät stets damit, erst einmal alles aufzuessen, was ich im Haus habe.“, werde ich heute erst alles aufessen und dann morgen direkt anfangen. Also wirklich direkt!


Wie es bisher so lief, wie gut oder erfolgreich oder eben nicht, erfahrt ihr später. Einen kleinen, zuckerfreien Vorgeschmack gefällig?