2015 | Woche 3

Montag und Dienstag gearbeitet. Ganz langsam weicht die utopische Vorstellung, die man vor über zwanzig Jahren beim Verlassen der Grundschule vom Erwachsensein hatte, dem vagen Verdacht, dass Erwachsensein vorrangig was mit Rechnungen bezahlen und Dinge-tun-müssen zu tun hat und es nur zweitrangig darum geht wann und so oft man will warmen Schokopudding zu essen. Fühle mich getäuscht. Keine Ahnung von wem genau, aber ich fühle mich arg getäuscht! Arbeiten ist scheisse und das war doch alles ganz anders geplant. Damals im zarten Alter von zehn.

Mittwoch zwar frei, aber dafür abends in einer vierstündigen Fortbildung gesessen, was ebenfalls super erwachsen und damit super öde ist. Warmen Schokopudding gab es natürlich hier auch nicht.

Donnerstag fährt der Mann wegen eines Termins ins Rheinland und nächtigt deswegen bei meiner Mutter.
Ich will nicht sagen, dass sie sich nicht sonderlich verstehen, aber es überrascht mich dann doch sehr, dass ich später im Heute Journal nichts von einem grausamen Blutbad oder ähnlich Schmackhaftem im Raum Bonn höre.

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Freitag wieder arbeiten, weil jemand krank geworden ist. Wobei ich erst dann bereit war einzuspringen und meinen kind- und mannfreien Vormittag zu opfern, als man mir via Skype live Bilder aus der Notaufnahme übermittelt.
Anschließend den Antichristen abgeholt und Mutti gespielt – Also abwechselnd Kekse geben und streng gucken. Kekse geben, streng gucken. Repeat. Klappt super.
Abends ist der Mann schon wieder da und verlangt Aufmerksamkeit, während es mich grenouillehaft nach einer Höhle dürstet. Werde ihm zum Geburtstag im März ein Tagebuch schenken, so eines mit Schloss und kleinen Kätzchen, die mit Wollknäuel und/oder Luftballons spielen. Da kann er dann seine Gedanken und Gefühle reinschreiben, während ich mich in meiner imaginären Höhle selig hin- und herschaukel.

Am Samstag spazieren wir vormittags bei -2.058°C eine Runde in unserem Viertel. Da der Antichrist aufs Bobbycar besteht und wir deswegen ständig Zwangspausen, die jedesmal ein Hauch von Stalingrad herbeizaubern, einlegen, sterben mir bei diesem vormittäglichen Festival geschätzt etwa sieben Zehen, ein Ohr und vier Finger ab.
Weil der Rest der Familie solche latent suizidalen Aktionen töfte findet und wir offenbar so etwas wie ein körperliches Kollektiv bilden, bei dem nie ein Teil ohne den anderen so etwas krasses wie Spazierengehen machen kann, fahren wir am Nachmittag noch einmal zur Elbe, um dort aufgrund der arktischen Temperaturen der restlichen Extremitäten verlustig zu werden.

Elbe

Sonntag dann wieder arbeiten. Gott sei Dank. Da muss man zumindest nicht spazieren gehen.

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