48 Stunden

Er hat schon wieder diesen Blick. Dieser Blick, der sagt, er denkt nach. Männer, die nachdenken sind gefährlich. So kommen sie auf Ideen und da sie Männer sind, sind es eo ipso oft dumme Ideen.

Gleich, in wenigen Sekunden, wird er mich irgendwas fragen und mit „Du?“ anfangen. Nein, genauer genommen mit „Du-huu, saaag maaal..“ und dann irgendwas vorschlagen. Das ist dann meistens der Punkt, an dem ich einfach schreiend aus dem Fenster springen möchte und nur die Tatsache, dass mein Fenster auf die Terrasse führt und ausser aufgeschlagenen Knien dabei nichts für mich rausspränge, mich davon abhält.

Während ich noch über die mangelnden Suizidmöglichkeiten aufgrund der Wohnungslage sinniere, beginnt eine Stimme hinter mir: „Duhuuu..“ Ich zucke zusammen. „Sag mal, was hältst du eigentlich davon, wenn wir den Umzug schon dieses Wochenende machen?“

„Was meinst du mit dieses Wochenende? Meinst du dieses Wochenende? Ich meine: DIESES Wochenende?“

„Ja. Meine Brüder könnten uns jetzt doch helfen, dann würden wir die Umzugshelfer sparen.“

Dieses Wochenende?“

„Ja, dann hätten wir auch alles vor dem Urlaub erledigt.“

„Also, dieses Wochenende? Das in zwei Tagen?“

„Ja, dann müssten wir nicht noch einmal von Hamburg nach Bonn und würden uns die zusätzliche Fahrt ersparen.“

„In achtundvierzig Stunden?“

„Ja.“

Ich blinzle unkontrolliert, während er mich stolz anblickt. Ich erkenne den selben Stolz in seinem Blick, den ich auch bei unserem Sohn ausmache, wenn er in der Badewanne pupst. Verständlich. Ist ungefähr die gleiche intellektuelle Leistung.

Da ich in den letzten 2,5 Jahren sehr darum bemüht war, den Eindruck aufrecht zu erhalten, ich sei super spontan und flexibel und voll crazy – und zwar nicht auf diese zwangsneurotische Ich-muss-jeden-Boller-auf-dem-Bürgersteig-anstupsen- oder die Ich-fange-an-zu-weinen-wenn-meine-Excel-Tabelle-für-den-Tagesablauf-abstürzt-Weise, sondern die Whooohoo-wir-ziehen-einfach-schon-übermorgen-um-Whoohoo-Weise – versuche ich mein Blinzeln, sowie den Drang ihm mit einer Axt einen Scheitel zu ziehen, zu unterdrücken. Gekonnt fabriziere ich auf meinem, nur noch latent zuckenden Gesicht, ein Lächeln, so wie ich es im Fernsehen bei glücklichen Menschen immer sehe.

„Ja. Klar. Lass es uns dieses Wochenende machen.“

Er lächelt: „Super. Ich miete den Sprinter.“

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Wenn mich einer sucht, ich sitze in der Badewanne und schaukle mich jetzt summend in eine bessere Welt.

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