Alles ist möglich

In der neuen Wohnung habe ich einen Wintergarten. Er ist nicht besonders groß, vielleicht vier Quadratmeter. Vielleicht auch fünf.

Es ist der einzige Raum, in dem nichts steht. Noch nichts.

Der einzige Raum, bei dem ich noch nicht mal ansatzweise entschieden habe, was ich damit machen werde. Ob ich ihn als eine Art Gewächshaus nutze, um die noch anzuschaffenden Tomatenpflanzen & Co. vor dem Hamburger Daurregen zu schützen und meinem absurden Tagtraum von ein wenig Autarkie näher zu kommen. Oder ob ich es einfach voller grüner Pflanzen stelle, ein kleiner Dschungel, in den man abtauchen und sich verstecken kann.

Oder ob ich ein kleines Atelier daraus mache. Mit großem Zeichen- und Basteltisch. Vielleicht einer Staffelei.

Oder ein Esszimmer mit einem kleinen, verspielten runden Tisch, in weiß und aus Metall, mit zwei dazu passenden Stühlen drumherum und einer einzelnen Blume in einer kleinen Vase darauf. Wo man morgens, wenn das Sonnenlicht durch die Glasdecke bricht, in Ruhe seinen Kaffee trinken kann. Nachmittags könnte ich Gurkensandwiches und Tee servieren und würde mit meinem Besuch über „The Importance of Being Earnest“ diskutieren.

Ich könnte es auch mit Matratzen und Decken und Kissen auslegen und Dutzende von Lichterketten aufhängen, als Kuschelhöhle nutzen und nachts glückstrunken den Sternenhimmel beglotzen.

Ich weiß es nicht. Und das ist perfekt so. Denn solange ich nichts entschieden habe, kann der Raum alles werden. Einfach alles.

Und wie oft haben wir das schon – wie oft haben wir bei irgendwas das Gefühl, alles ist möglich?

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