Besinnlich betroffene Weihnachtszeit

Weihnachten ist ja so Ding, bei dem sich ganze Familien und Nationen spalten können. Wenn ihr mich fragt, findet dort die wahre Spaltung der Gesellschaft stattet. Denn wenn etwa 100 Menschen richtig geil aufs Boostern sind und 2 Menschen motzend und mit selbstgebastelten „Judensternen“ durch Innenstädte mäandern, dann finde ich den Begriff Spaltung … nun … sagen wir recht fantasievoll.

Nein, die wahre Spaltung, weil ganz von innen und aus sich heraus, die findet jedes Jahr in der Weihnachtszeit statt. Im Grunde schon am 1. September, wenn der Einzelhandel – die kleine Konsumnutte – Printen, Lebkuchen und Spekulatius in die Regale knallt. Da hängt noch nicht mal das Preisschild, da twittert schon der erste, dass Weihnachten ja auch jedes Jahr früher stattfindet und was das denn solle, am 1. September, sei ja alles noch ewig hin und außerdem sei ja ohnehin bewiesen worden, dass Jesus gar nicht am 24. Dezember geboren wurde!11!

Währenddessen schickt jemand zur gleichen Zeit sehr aufgeregt in die Familien-WhatsApp-Gruppe ein Bild der Lindt-Weihnachtsmänner-Armee mit dem literarisch herausragenden Text: »✨ 🎁 🎄 Es iSt wiEdeR sOwEIt! 🤩 🎅🏼 🎉« und fügt später ein leises, aber nicht minder aufgeregtes »Dieses Jahr auch mit Salz-Karamell!« hinzu.

Die einen eskalieren in den kommenden Wochen und Monate beim Geschenke kaufen, Dekorieren und Ignorieren der Frage, wie ökologisch sinnvoll die 17 Lichterketten wohl sein mögen, die anderen grinchen sich durch die Zeit – die Ursachen hierfür sind vielfältig und nicht selten traumatischer Natur.

Es ist fast unmöglich, jemanden zu finden, der keine Meinung zu Weihnachtsbäumen, Geschenken, Deko, Christmetten, und Wham! hat. Aber im Gegensatz zu Covid ist das okay, tut primär dem Klimawandel weh und nur sekundär den Menschen, denn auch wenn dein Plastikbaum für EUR 7,99 aus China sicherlich von seiner CO2-Bilanz durchaus Anlass zum Diskutieren geben könnte, birgt er nicht die Gefahr, dass ich deswegen mit einem Beatmungsschlauch ins Neue Jahr surfen muss. Und das ist ja auch schön.

Wie auch immer. Ich weiß, einige von euch fahren dieses Jahr zu ihren Familien. Oder Freunden. Manche bleiben zuhause, bekommen Besuch und feiern hier. Manche feiern nicht. Manche sind allein. Manche nicht. Manche verbringen ihr Weihnachten nicht so, wie sie es vielleicht gerne würden – oder können. (erneut: viele mögliche Gründe)

Für all die, die vor den nächsten Tagen ein bisschen Schiss haben, vor den Verwandten – die den Stresshormonspiegel mal wieder so richtig reizen –, vor dem Alleinsein, vor, vor, vor … Für all die habe ich mir in den nächsten Tagen ein bisschen was überlegt. Kleine Texte, Netz-Fundstücke und Contentpieces (Hand hoch, wer bei dem Wort auch immer ein bissel würgen muss …✋), damit ihr an diesem kleinen kuschligen Ort eine Anlaufstelle habt, wo ihr mindestens einmal am Tag für ein paar Minuten ein bisschen Ablenkung und/oder FUN! findet.

Ihr seid nicht allein. Wir schaffen das schon. Und damit wir das neue Jahr nicht mit einem Magengeschwür beginnen – immer dran denken:

[Könnt ihr euch gerne runterladen und als Wallpaper oder Hintergrund fürs Handy draufmachen und jedesmal, wenn Tante Magda wieder das N-Wort sagt oder Onkel Holger dir erklärt, warum wir keinen Feminismus mehr brauchen und es psychische Krankheiten nicht gibt, kurz draufgucken.

Und noch einmal kurz ernsthaft: Wenn ihr könnt und es schafft, setzt Grenzen.

Falls ihr es im Moment nicht schafft (again: viele Gründe): auch damit seid ihr nicht alleine!]

2 thoughts on “Besinnlich betroffene Weihnachtszeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.