Bonuslevel: Ferien mit Kind.

Ferien sind super. Jeder liebt Ferien. Oder nicht? Vor allem als Schülerin und später Studentin fand ich es großartig. Natürlich. Ich rede nicht von Urlaub oder in Urlaub fahren, sondern Ferien und die damit verbundene grenzenlose Option des Nichtstuns.

Wochen über Wochen, an denen man ins Bett gehen konnte, wann man wollte. Aufstehen, wann man Bock hatte – falls man Bock hatte. Vielleicht hat man das Frühstück ausfallen lassen und erst irgendwann mittags – wie so’n dekadenter Römer – im Liegen zu sich genommen. Oder man hat die erste Mahlzeit des Tages schon morgens um fünf, mit ordentlich Restpromille, in Form eines vollendeten Döners zelebriert. (Letzteres dann eher zu Studienzeiten)

Vielleicht hat man den ganzen Tag, auf Kissen gebetet und unter Plümos begraben, auf dem Sofa ein Buch nach dem anderen gelesen – oder Sims im Pool ersaufen lassen.

Vielleicht hat man tagelang mit niemandem gesprochen und Familienangehörige, denen man auf dem Weg zum Klo begegnete, lediglich mit einem Grunzlaut gegrüßt. Vielleicht war man jeden Abend auf Achse – wie die Jugend 1987 so schön sagte.

Vielleicht hat man auch nichts von alldem gemacht.

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Nichts muss, alles kann. Das war das Motto.

Zumindest ab dem Alter, in dem die Eltern einem nicht mehr gesagt haben, dass man jetzt genug (WTF?) ferngesehen hat oder Froot Loops kein angemessen Abendessen seien! Ob sie schlicht aufgegeben oder eingesehen haben, dass man nun ein eigenständiges Wesen ist, ist hierbei irrelevant.

Nun. Die Zeiten sind vorbei. Zumindest für mich. Keine Schulferien, keine Semesterferien mehr. Gut, inzwischen könnte ich Froot Loops zu jeder Tageszeit essen, zumindest solange ich nicht bei meiner Mutter zu Besuch bin. Aber ansonsten hat einen das Erwachsenenleben ziemlich eingeholt. Die Zeiten, in denen man sechs Wochen lang am Stück machen konnte, was man wollte, sind passé.

Wäre das Leben ein Computerspiel, stecke ich vermutlich nun seit geraumer Zeit in einem Level fest, das einfach nicht enden will. Kein Cheating. Kein Endgegner, den man nur besiegt haben muss (Hausarbeiten, Zeugnis, Zwischenprüfung etc. – ihr versteht die Metapher, oder?), um dann als glorreicher Held eine Verschnaufpause einzulegen. Nein. Same level. Everyday.

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Nichts kann, alles muss. Das ist das Motto.

Aber. Ich habe kürzlich festgestellt, dass ich ein neues Bonuslevel habe. Eines, durch das ich zumindest passiv an dem Traum von Ferien teilhaben haben. Eines, das neuen Nervenkitzel und Herausforderungen bereithält, und das einem nie sagt, wie viele Leben man noch übrig hat oder ob man gleich einfach wie Reaktor 4 detorniert.

Das Bonuslevel heißt „Kind“.

Bisher spielten Ferien bei uns keine große Rolle. Ob Ferien oder nicht ist einem Kita-Kind meistens pupsegal, es lebt vor sich hin, seiner eigener Existenz nur periphär bis gar nicht gewahr, wie eine recht gut gelaunte, putzige Amöbe.

Der anschließende Übergang zur Schule ist meistens fließend und erst nach ein, zwei Jahren, wenn die Fundamente der eigenen Persönlichkeiten beginnen auszuhärten, beginnt man seine eigene Existenz zu hinterfragen und sei es nur durch die mäßig launig vorgebrachte Frage „WARUM MUSS ICH MEIN ZIMMER AUFRÄUMEN?!“

Ehe man sich versieht, erkennt man Zwänge und Aufgaben und Pflichten an allen Ecken, wie schön waren doch die Zeiten, in denen man die Schüssel mit Möhrenbrei gegen die eierschalenweiße Tapete knallen durfte, ohne deswegen eine Woche Nintendo-Verbot zu bekommen.

Das Kind ist nun neun Jahre alt und in dem Alter, in dem es Ferien braucht. In dem es sie auskostet. Und in dem ich eine gewisse Angst verspüre, es – nun da sich die Ferien ihrem Ende entgegen neigen und es ab Donnerstag wieder um sieben aufstehen muss – morgens zu wecken und eben nicht mehr bis mittags schlafen zu lassen.

Denn das Kind ist nicht nur neun Jahre alt, es ist auch noch meines. Soll heißen, es besitzt wie seine Mutter die Fähigkeit, seinem Zorn eine bemerkenswerte Ausdauer zu verleihen und seinem Umfeld mimisch und verbal noch Stunden später wissen zu lassen, wie. scheisse. man. etwas. fand.

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Niemand kann so genervt stöhnen und schwer atmen wie ein Haessy. Das ist genetisch.

Worauf ich hinauswill … Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Pubertät und das neue Bonuslevel, das wir dann gemeinsam an jedem Tag, aber insbesondere in den Ferien, wenn er 24 Stunden zuhause ist (!!!), durchspielen können.

Inklusive der Gratis-Erweiterungen Deo-Verweigerung und heimlich-Masturbieren-für-Anfänger. Das wird so so super.

Und bis dahin habe ich ja auch noch die Hunde, die immer irgendwann irgendwie ins Zimmer gelangen und denen irgendjemand zur zusätzlichen Motivation ein paar Leckerlies auf die Bettdecke zuwirft und aus sicherer Entfernung „Huch. Oh. Mein. Gott. Wie kommen denn nur die Hunde hier rein? Na ja. Jetzt kannst du ja auch aufstehen.“ ruft.

… Aber es sind ja auch nur noch acht Jahre und elf Monate, dann ist der kleine Mann volljährig und vielleicht mache ich dann mal wieder Ferien. Alleine.

Die ziehen doch an ihrem 18. Geburtstag aus, oder? Das ist doch der Deal, oder? ODER?

4 thoughts on “Bonuslevel: Ferien mit Kind.

  1. Das schöne ist, dass man sie mit 18 UND wenn die Schule abgeschlossen ist, rauswerfen kann.

  2. Guten Morgen,
    Nein! Tun Sie nicht. Man darf die lieben kleinen Ableger aber mit 18 laut Gesetzgebung zwei Wochen alleine zuhause lassen. Es ist dann aber anzuraten sich vorher angemessen von Wohnungseinrichtung und Kontostand zu verabschieden!

    Bis dahin nutzen wir einfach die Vorfreude auf „Ferien“ um uns durch den Murmeltiertag zu bringen.

    Viele Grüße Sonja

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