Das Netz und ich – Eine Liebesgeschichte

Ich war im Grunde ein Spätzünder. Ganz generell, aber vor allem in Bezug aufs Netz. Ich hatte erst mit 18 meinen ersten, richtigen Computer – aber selbst dann wusste ich außer unbeholfenes Googeln, Sims und Age of Empires zu spielen nicht viel damit anzufangen.

2007 war die Stunde von StudiVZ und MySpace (ja, ich wusste stets, was angesagt war…), bis man mich während eines Auslandaufenthaltes auf etwas namens Facebook aufmerksam machte. Wo aber bis dato keiner meiner Freunde war. Irgendwas ist immer.

Aber dann ging alles vergleichsweise schnell. 2008 erzählte mir eine Freundin von Blogs und dass das auch garantiert das Richtige für mich sei. Ich folgte ihrem Rat. 2009 folgte durch einen Zufall Twitter – und der Rest ist Geschichte.

Die letzten acht Jahre haben viel in meinem Leben geändert. Inzwischen gibt es tatsächlich Menschen, die die Texte und Gedanken, die ich ins Netz schreibe, regelmäßig lesen. Also Menschen außer meiner Mutter.

Ich habe die Gedanken und Texte anderer Menschen, mit denen ich sonst nie in Kontakt gekommen wäre, gelesen. Sie haben mich bewegt. Zum Lachen und Nachdenken gebracht. Und hin und wieder zornig gemacht.

Manche Menschen habe ich mit der Zeit sogar persönlich kennengelernt. Habe mit ihnen getrunken, gefeiert, die ganze Nacht hindurch geredet.

Selten habe ich mich so verstanden gefühlt. Endlich hatte ich Menschen getroffen, die ähnlich oder genauso tickten wie ich. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich so, wie ich bin, gar nicht alleine war. Ich war nicht komisch oder anders. Gut, vielleicht ein wenig neurotisch, ein wenig introvertiert – aber wenn man erlebt, dass es noch ganz, ganz viele andere Menschen gibt, die genauso sind wie man selbst, ist das mehr als nur eine Wohltat.

Denn es gibt wohl kaum etwas wichtigeres im Leben, als das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass man so wie man ist, nicht allein ist. Und dass man sich nicht einreden lassen darf, man müsse anders sein.

Die Menschen, die ich durch das Netz kennengelernt habe, haben mir dieses Gefühl gegeben. Und dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.

Und gerade deswegen macht es mich traurig, dass ich in den letzten ein, zwei Jahren mehr und mehr den Eindruck habe, das Netz und die Menschen darin verändern sich.

Ich weiß nicht, wo und wann und wieso es genau angefangen hat. Ich weiß nur, dass ich mich dabei ertappe, mich weniger gern an dem Ort aufzuhalten, der für mich einst mein Zuhause war. Natürlich verändert man sich auch selbst, entwickelt andere Neigungen, neue Prioritäten. Aber es ist nicht meine Liebe zum Netz, die schwindet, es ist die Liebe im Netz, die schwindet.

Ich kann das Netz nicht ändern oder die Menschen darin. Das zu glauben, wäre naiv und utopisch. Ich kann nur mich ändern. Und ich glaube, es wird nun höchste Zeit, etwas zu ändern.

Fortsetzung folgt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.