Entschlossen

Ich lebe ja nicht das erste Mal in Berlin und hatte daher in der Vergangenheit genügend Zeit, neben den üblichen Ängsten, die man in solchen Großstädten ja gerne entwickelt, noch ein paar zusätzliche anzuhäufen.

So bin ich nun, fast täglich, von der Furcht getrieben, ich würde irgendwann irgendwo vor einem Spiegel stehen, in einem Kaufhaus, dem Klo eines Cafés, und entdecken, dass ich, ohne es bewusst bemerkt zu haben, offenbar einen Augenbrauenstift benutzt habe. Dass sozusagen in meinem Unterbewusstsein eine Metamorphose stattgefunden und irgendein Teil in meinem Gehirn befunden hat: „Du lebst in Berlin, hier trägt man das so, mach mal auch!“

Diese Angst wird besonders während der morgendlichen Fahrten mit der Bahn genährt. Wenn ich dem Anblick scheinbar zahlloser Opfer Menschen mit besagtem Attribut ausgeliefert bin.

Und ich rede nicht von denen, die einfach mit wenig Haaren gesegnet wurden, sei es nun genetisch oder in einem akuten Zupfanfall während der Pubertät geschehen, und die der Natur lediglich ein wenig auf die Sprünge helfen wollen.
Ich rede von diesen BALKEN, vor denen ich mich fürchte. Die mich nachts in meinen Träumen heimsuchen. Die grimmig dreinschauend mir in der U7 gegenüber sitzen.

Aber vielleicht sehe ich das falsch, sehe mal wieder alles nur zu negativ. Vielleicht unterschätze ich die Vorzüge, wenn man sich mit einem eddinghaften Stift die Mimik ins Gesicht meißeln kann.

Allein die Möglichkeit einfach einen ganzen Tag dann eben fröhlich oder böse oder traurig dreinzugucken, ohne dafür auch nur eine Miene bewegen zu müssen – klingt doch verlockend. Und energiesparend. Und was bei Babies wunderbar klappt, sollte doch auch bei mir funktionieren.

Oder nicht?

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