Herr Simmel

Guten Tag.

Falls Sie nicht nur in Bonn, sondern zudem auch noch – im Gegensatz zu mir – gebrauchte Gegenstände und vor allem Bücher nicht mit gespitzten Fingern, und einem Mund, der wiederholt „Igittigitt..“ haucht, anfassen, sondern diese vielleicht sogar mögen, sollten sie vielleicht mal am öffentlichen Bücherschrank in der Bonner Altstadt vorbei flanieren.

Öffentliche Bücherschränke sind eine feine Sache, es gibt in Deutschland inzwischen unzählige und über den Bonner Bereich verteilt kann man insgesamt zehn Stück davon finden. Einer davon in meinem Viertel. Yo.

Ich persönlich würde nie ein Buch aus einem der Bücherschränke ausleihen, weil ich für solch unhygienischen Schabernack medikamentös nicht ausreichend eingestellt bin, dennoch mag ich die Idee.

Wie Sie sich vielleicht noch erinnern, befinde ich mich aktuell im Ausmistmodus und stand wiederholt vor der schweren Entscheidung, wohin mit meinen Büchern? Selbst, wenn ich nicht alle loswerden wollte, blieben noch eine Menge übrig, die ein neues Zuhause brauchten.
Da bekanntlich Oxfam & Co. Bücher oft eher schlecht als recht loswerden, ich bei weitem weder Zeit noch Nerven habe, die Dinger via Ebay oder Amazon zu verticken und erst Recht nicht die Nerven besitze, mich ein weiteres Mal mit den KZ-Aufseher-Attitüden der Belegschaft der Stadtbibliothek auseinanderzusetzen, kam ich schließlich – da Wegwerfen natürlich keine Option ist – zu dem Schluss, dass ich sie in den offenen Bücherschrank stelle.

Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass es vielleicht Menschen gibt, die auf die Idee kommen könnten, sich (in der Absicht, sich zu bereichern), an so einem Bücherschrank zu vergehen, war die Vorstellung, dass ich dennoch vielleicht irgendjemandem eine Freude machen könnte, am Ende ausschlaggebend.

Also brachte ich gestern Morgen sage und schreibe 30 Bücher zum Bücherschrank und als mein Blick auf die gesammelten Werke von Johannes Mario Simmel und das Deutsch-Französische-Wörterbuch fiel, wurde mir klar, dass ich das schon eher hätte machen sollen.

Falls Sie also in der Gegend wohnen, gehen Sie doch mal vorbei. Von Sartre und Wodehouse über de Sade und Kehlmann bis Mischa Sarim-Vérollet und Calvin & Hobbes ist alles dabei. Falls Sie woanders wohnen, schauen Sie doch mal hier, ob es bei Ihnen auch so einen Bücherschrank gibt. Vielleicht haben Sie ja auch ein paar Bücher, mit denen man anderen noch eine Freude machen kann.

Und damit meine ich nicht die Werke von Johannes Mario Simmel.

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