Inseln der Glückseligkeit

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Es ist sind die Lichter, die mich magisch antreiben. Schneller, immer schneller marschiere ich auf das blinkende Glühbirnenmekka hin, fasziniert von der Stimmung, die lediglich durch ein wenig Abendstunde und bunte Glühbirnen geschaffen wird, sich nur mühsam zusammenreißend, nicht zwischendurch vor Freude zu hopsen.

Der Mann sieht mich immer wieder rätselnd an und ich ihn, weil ich nicht verstehe, wie man Rummel und Kirmes nicht toll und aufregend finden kann. Und dann fällt es mir wieder ein.

Ich nenne Dinge wie Kirmes ‚Inseln der Glückseligkeit‘. Sie bilden kleine schimmernde Erinnerungsstücke meiner Kindheit, die herausstechen aus dem, an das ich mich nicht so gerne erinnere. Einmal im Jahr gibt es in Bonn eine Riesenkirmes, die Menschen wuseln und watscheln, eng an eng, manchmal ist kaum ein Vorwärtskommen. Überall Musik, Lichter, der Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, die warm und wohlig im Mund zergehen und dem Gehirn kurz so etwas wie Glück vorgaukeln. Der Wind im Gesicht, wenn man auf dem Kettenkarussell war, die Angst und das Lachen in der Geisterbahn, das Staunen angesichts der einschüchternden Achterbahnen und der davor sich erbrechenden Jugendlichen.

Und immer an der Hand – meine Mutter. Die mich nie verlor, dafür sorgte, dass ich nie verloren ging, die mir kleine, bunte Plastikchips kaufte, durch die ich in den Genuss von noch mehr Karussells kam, die mir Zucker und Kalorien in den abenteuerlichsten und wunderschönsten Formen spendierte und am Ende noch einen mit Helium gefüllten Luftballon, am Liebsten ein Tier, einen Papagei oder so, den ich so lange in meinem Kinderzimmer als Haustierersatz hielt, bis er irgendwann am Boden hernieder lag.

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Kirmes war und ist für mich immer mehr als nur ein schneller Marsch über’s Feld, das systematische Abgrasen von Fressbuden und der emotionslose Ritt auf der Achterbahn. Für mich ist Kirmes Emtion pur. Es sind kleine Momente meiner Kindheit, die ich wieder aufleben lassen und noch einmal durchleben kann.

Und nun werde ich in einer Stadt leben, die dreimal im Jahr je vier Wochen Kirmes hat. Ingesamt etwa 12 Wochen im Jahr, in denen ich Abend für Abend eintauchen kann ins Dunkel der Nacht, in der das Blinken und Blitzen mir den Weg weist, wo ich für eine kurze, kurze Zeit alles außerhalb des Rummels vergessen, ausblenden kann. Weil es überlagert, überdeckt wird, von den vielen Sinneseindrücken, von dem kurz aufflackernden Gefühl von Glück.

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