Jahresfuckingrückblick 2020

Guten Tag, wir haben den 8. Mai und neben mir, bzw. direkt neben der Tastatur liegt mein persönlicher Jahresrückblick von 2020. Ja, Sie haben richtig gelesen. 2020. Zwei Din A4 Seiten, handschriftlich zusammengerotzt. Jetzt könnte man sagen, puh, ein 2020-Jahresrückblick im Mai 2021, was soll das denn noch, kann man das nicht einfach lassen? Sicher. Könnte man. Wenn ich nicht so verdammt stur und trotzig wäre. Schließlich hab ich es ja aufgeschrieben. Vor Monaten. Und nur noch keine Zeit gehabt, es abzutippen.

Und seien wir doch mal ehrlich. Seit letztem Jahr ergibt doch eh alles keinen Sinn mehr. Wir wir leben, wie wir arbeiten – alles ist auf den Kopf gestellt. Warum dann also nicht einen fucking Jahresrückblick im Mai des nächsten Jahres?

Also 2020. Das verlorene Jahr. Keine Ahnung, was da genau eigentlich los war. Ich war sicherlich anwesend, irgendwie, habe gegessen, geschlafen, geweint, gelacht, alles wie immer gemacht, na ja, mehr oder weniger. genau weiß ich eben nicht. Es liegt alles im Dunkeln, unter einem dicken Schleier, aller ist verschwimmen, nur hin und wieder blitzen Situationen auf, grobkörnig und unscharf.

Ich, wie ich im März 2020 in der Sprachschule stehe und meiner afghanischen, analphabetischen Schülerin versuche zu erklären, dass die Schule wegen Corona sofort schließen muss.

Ich, wie ich im Sommer 2020 Caipis im Park trinke. Nicht alleine, wir sitzen alle artig 1,5m und mehr voneinander entfernt. Man kann auch auf Distanz super schön betrunken werden.

Ich, wie ich mir einen Pony schneide, weil es bekanntlich der beste Zeitpunkt ist, sich einen Pony zu schneiden, wenn alle Friseure zu haben.

Ich, wie ich einmal im Monat vor einem klitzekleinen Tobsuchtsanfall stehe, weil die Grundschule des Lütten sich während des Lockdowns in Sachen Kommunikation nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, sondern so tat, als wäre noch 1412. Na ja, diese digitale Welt, die ist eben noch ganz neu, allein diese Emails, sowas albernes neumodisches, das geht auch ohne, hier: wir haben aus alten Klopapierrollen eine Rohrpost gebastelt, bitte darüber kommunizieren. Brieftauben gehen zur Not auch.

Und zwischendurch immer wieder die verrückte Mandarine im Oval Office und diese Angst, sie könnte dort noch vier weitere Jahre bleiben, und die Welt nun langsam aber sicher ihrem Ende entgegen gehen. Also unabhängig von der Sache mit dem Klima, wobei es dem ja viiiel besser geht, seitdem alle zuhause bleiben.

Der Rest … Ein tosendes Meer aus Pressekonferenzen und den Kunststücken, die Jens Spahn so aufführte, während er so tat, als würde er einen grandiosen Job als Gesundheitsminister machen. Wobei ja seit letztem Jahr ohnehin jede*r Gesundheits- und Impfexpert*in und freiberufliche*r Epidemolog*in ist. Denn das ist es, wovon wir unbedingt mehr haben sollten: Noch mehr Fraukes und Holgers, die aufgrund des intensiven Studiums von Wikipedia und der Apotheken-Umschau es besser wissen als alle anderen!

Das Letzte, woran ich mich bei 2020 erinnere, ist dieses Gefühl im Dezember, dass ja nun ein neues Jahr kommt, ein neuer Anfang, nun wird alles anders.

Lol.