Kein Ende ohne ein Ende

Ich mochte Kevin Spacey schon, bevor er masturbierend neben Annette Benning im Bett gelegen hat. Der Mann zeigt in seinen Rollen, egal wie ruhig und still er spielt, eine Intensität und hin und wieder auch eine Bedrohlichkeit, die seinesgleichen sucht.

Dementsprechend bin ich ein Fan von House of Cards. Die ersten beiden Staffeln erinnerten mich unnachahmlich an Richard III. – Ein klassischer Schurke, so unbeirrbar egoistisch und zielstrebig, das er vor nichts und niemandem zurückschreckt und durch seine Offenheit gegenüber dem Zuschauer eine seltsame Nähe bis hin zur Sympathie entstehen lässt.

Hinzukommt, dass sich Claire Underwood schnell zu meinen anderen Favoritinnen im Serienfrauenolymp gesellte und ich mir ausmalte, wie viele tausend Stunden Sport und tausende Euros für Kostüme ich sparen und ausgeben müsste, um so auszusehen und zu wirken wie sie. Diese gefasste, kontrollierte, nicht minder zielstrebige und ebenso nicht minder leicht gestörte Persönlichkeit.

Als Underwood Ende der zweiten Staffel endlich sein Ziel erreicht hatte und König von England Präsident war, hätte die Serie einfach zu Ende sein können.

Genau in diesem Moment läuft hier bei mir die letzte Folge der dritten Staffel und sie ist keineswegs unspannend, die Personen nicht weniger gut gezeichnet und dargestellt.
Doch nun geht es weniger um Intrigen, um den inneren Kampf zweier seltsamer Menschen, die den Zuschauer auf moralischer Ebene abstoßen und menschlich faszinieren, es geht um bizarr anmutende Auseinandersetzungen Schwanzvergleiche mit dem russischen Präsidenten, fiktive Probleme, Lösungsansätze und erneute Probleme in Israel und natürlich die Frage, wie Underwood eine zweite Amtszeit bekommen kann. Der rote Faden während der gesamten Staffel ist die langsam zerbröckelnde Ehe, das Auseinanderdriften zweier Pole einer Beziehung, die mehr als nur einmalig ist.

Das Ganze ist nicht einfach zu konsumieren, nicht einfach auszuhalten, denn über allem schwebt eine bedrückende Schwere, etwas tragisch belastendes, was vermutlich nur Menschen anzieht, die ansonsten primär Evanescence hören und Kafka lesen.

Und während jeder Folge stelle ich mir Frage Wozu?

Wozu gibt es diese Staffel? Ist die Frage „Was passiert nun? Was geschieht jetzt, nachdem er Präsident geworden ist, nachdem er doch alles erreicht hat, was er wollte?“ so unaushaltbar, das sie unweigerlich nach einer Antwort verlangt? Warum müssen wir immer wissen, wie es weitergeht? Warum finden wir kein Ende ohne ein Ende?

Ist es schlichte Neugier? Der Unwille einen Abschluss zu finden? Den Punkt, an dem es in Ordnung ist, aufzuhören, die Party zu verlassen und nicht zwangsläufig bis zum bitteren Ende zu bleiben, wissend, dass das letzte Bier eines zuviel gewesen sein wird.

Ist man hinterher immer klüger? Warum sind wir nie vorher klüger? Oder sind wir es (zumindest hin und wieder) und sind dann nur zu faul und feige und angstgetrieben? Weil wir befürchten, etwas zu verpassen. Etwas, was im Großen und Ganzen betrachtet, vermutlich völlig unerheblich für unser Leben ist oder sein wird.

Aber war es bei einer Serie wie House of Cards nicht zwangsläufig, dass nach Erreichen aller Ziele nun die eigene Demontierung folgen muss? Dass es ab einem gewissen Punkt nicht noch weiter nach oben gehen kann? Dass es nicht immer noch besser werden kann?
Und wenn wir es doch (insgeheim) wissen, ist es Gier, die uns weitermachen lässt? Oder das Bedürfnis herauszufinden, wie wir selbst reagieren werden, wenn das Unvermeidliche eintritt und die Fahrt nach unten beginnt? Ist es einfach die Natur des Menschen wissen zu wollen, wie viel er aushält, wie viel er kann, oder schlichte Überheblichkeit? Hybris?

Und rede ich überhaupt noch über Serien? Und warum weiß ich auf keine dieser Fragen eine befriedigende Antwort?

Und natürlich: Wieso findet dieser Beitrag einfach kein En

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