Nostalgie und Zukunftsfreude

Würde man mich direkt fragen, würde ich mich eigentlich nicht als nostalgisch bezeichnen. Aber ich bin es wohl.

Was ich vor allem gerne mache: In Fotos stöbern und schauen, wo ich vor genau einem Jahr war, was ich vor genau fünf Jahren gemacht habe, wer vor genau dreizehn Jahren eine wichtige Person in meinem Leben war. Da sind so viele Sachen, Menschen, Ereignisse, die man zu schnell vergisst und bei denen es sich durchaus lohnt, sich ihrer zu erinnern.

Dieses Foto ist aus zweierlei Gründen was besonderes. Es ist fast auf den Tag genau vor zehn Jahren entstanden. In Berlin. Offensichtlich.

Diese vollgerotzte, zu häufig nach Pipi und ungewaschenen Haaren riechende Stadt hatte es mir damals angetan. Und auch wenn ich wieder dort weggezogen bin, verschlug es mich später beruflich noch zwei Mal dorthin. Das zweite Mal endete jetzt gerade.

Vor genau zehn Jahren lag ich also auf dem Rasen vor’m Bundestag rum. Nicht alleine. (Erneut recht offensichtlich.) Nicht mal im Ansatz ahnend, dass ich eine Dekade später fast das gesamte Jahr damit verbringen würde, alles zu geben, bestimmte Menschen bei der Bundestagswahl genau dort reinzukriegen.

Und wie seltsam, dass ich mit einer Person dort auf dieser Wiese lag, die ich zwar mein halbes Leben kenne, die ich aber seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen oder gesprochen hatte – und mit der ich nun wie aus dem Nichts wieder Kontakt habe. Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem dieses Foto entstanden war.

Diese Fotos sind nicht nur nostalgische Relikte längst vergangener Zeiten. Fossilien eines ehemaligen Freundschaft. Sie sind das Symbol einer Brücke. Zwischen einem erneuten Ende und einem erneuten Anfang. Adieu Berlin – mal wieder. Hallo Freundin – schön, dass du wieder da bist.

Zeit ist etwas lustiges. Zurückzublicken heißt nicht immer, in der Vergangenheit verhaftet zu sein und nicht nach vorne blicken zu können. Manchmal heißt es nur, über die seltsamen Irrungen und Wirrungen des Lebens zu kichern.

Und zu erkennen, dass man manche Menschen und Orte aus den Augen verliert, nur um sie später noch einmal neu kennenlernen zu können.