Super spontan

„Hi. Ich bin’s. Sag mal, wäre es okay, wenn Marco gerade noch mit nach Hause käme, um noch ein Bierchen zu trinken? Wären in fünf Minuten da.“

Ich blicke auf die Uhr. 19.55 Uhr. Ich blicke durch die Wohnung. Irgendwas mit den Ställen von Augias. Ich blicke an mir herunter. Schlafanzughose (Hey! Es ist schließlich schon 19.55h!), eine Wollstrickjacke mit Bauernhofmotiven, Antirutschsocken und ein 3m-langer Schal, der macht, dass etwa nur 47% meines Kopfes zu sehen ist.. Ich bin purer Sex.

„Also, können wir kommen?“

Mein rechtes Augenlid beginnt unkontrolliert zu zucken. „Natürlich. Kein Problem.“

Eins meiner absoluten Beziehungsgeheimnisse ist ja seit jeher: Ihn unbedingt in dem Glauben lassen, dass ich sehr flexibel und spontan bin.

Während ich alles, was im Wohnzimmer und der Küche herumsteht auf das vollbeladene Wäschereck schmeiße, ebendas ins Schlafzimmer schiebe, stopfe ich alles, was ich zum Überleben brauche hektisch in meine Strickjackentaschen. Ladekabel. Schokolade. Flasche Wasser. iPad. Notizbuch. Stifte. Ich bin wie Gamma aus den Lustigen Taschenbüchern.

Dann sitze ich im Schlafzimmer und atme ganz flach. Und warte. Und warte. Bis der Schlüssel sich im Schloss dreht. Bis er reinkommt. Bis ich Lachen höre. Bis ich die Kühlschranktür auf- und wieder zugehen höre. Bis ich zwei Bierflaschen aufploppen höre. Plopp. Plopp. Ich atme weiter flach. Wie Ripley in den Alien-Filmen.
Ich schreibe dem Mann, ich säße im Schlafzimmer, er soll es nicht wagen reinzukommen und bitte so tun, als existiere ich nicht. Dann ziehe ich die Kopfhörer über und schaue The Big Bang Theory. Während ich weiter möglichst flach und unauffällig atme, streichle ich zärtlich meine Schlafanzughose und nicke geflissentlich und zustimmend, sobald Sheldon etwas sagt.

Die Erkenntnis kommt vielleicht ein wenig spät, aber manchmal denke ich, vielleicht bin ich nicht soo gut dazu geeignet, mit anderen Menschen zusammen zu wohnen.

Nicht, dass ich unbedingt wieder Single sein will, aber es hat auch sehr viel schönes, wenn man eine Wohnung immer für sich alleine hat, nackt durch ebendiese tanzen kann und das einzige Problem des Tages kleine, feine Krümel aus dem Katzenklo sind, die sich beim Tanzen in die Fußsohlen bohren.

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