Eskalation der Stars

Bild: RTL

Es ist einer der – inzwischen rar gewordenen – Schätze im Trash-TV-Himmel: Das Sommerhaus der Stars. Noch vor wenigen Jahren strotzte das Deutsche Fernsehen vor Sendungen, bei denen sich gefühlt die halbe Nation vor dem Fernseher versammelt hat. Oder zumindest die halbe Twitter-Nation. DSDS, Bauer sucht Frau, Schwiegertochter gesucht, Frauentausch und, und, und … Man saß zeitgleich vor dem Rechner und am Handy, twitterte und lästerte sich die Finger wund, versank vor Fremdscham in den tiefsten Untiefen des Sofas und fühlte sich zeitgleich von einer wundersamen Welle aus Überlegenheit in die höchsten Höhen empor getragen.

Natürlich wurden die Formate mit den Jahren ein wenig fad, der Vorrat an gruseligen Charakteren, von denen man sich stets fragte, wo genau RTL & Co. diese immer fanden, schien aufgebraucht, die Scripted-Reality-Shows nahmen zu – und vor allem veränderten wir selbst uns auch.

Das simple Sich-Lustig-Machen über Menschen wie Nadine („In Wurst sind Vitamine drin!“) und Andreas („Es bleibt alles so wie es ist!“) war plötzlich nicht mehr ganz so simpel.

Da kommt so ein Format wie Das Sommerhaus der Stars gerade richtig. Menschen, die irgendwann auf irgendeinem Sender schon mal irgendwas in eine Kamera gesagt haben, werden als Stars deklariert, für knapp zwei Wochen auf eine kleine, nur semi-schön eingerichtete Finca in Portugal eingepfercht, müssen schwachbegabte Spiele absolvieren und sind ansonsten vorrangig damit beschäftigt, Alkohol zu trinken, zu rauchen, Ränke zu schmieden – und vor allem sich gegenseitig, auf eine geradezu bemerkenswerte Weise scheiße zu finden.

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Tierklinik statt RTL

Eigentlich wollte ich letzten Mittwoch Abend Mario Barth deckt auf! gucken. Einfach auf dem Sofa abhängen, links neben einem Nachos mit Käse-Dip, rechts neben einem zwei Hunde, die sich darüber streiten, wer als nächstes zwischendurch gestreichelt wird, vor einem der Laptop, bereit, meine sicherlich ambivalenten Gefühle, die ich während der Sendung haben würde, in schöne, konstruktive Worte für den Blog zu verpacken.

Aber es kam anders.

Am Morgen wollte der Lütte nicht in die Vorschule. Er klagte über Kopfschmerzen (was ich ihm nur mäßig abnahm) und andere Dinge. Er blieb also zuhause. Irgendwann waren die Kopfschmerzen (Überraschung!) wieder verschwunden und er fand auf der Küchentheke Seifenblasen, die ich eigentlich zum Aussortieren dorthin gestellt hatte. Ob er Seifenblasen machen dürfe, fragte er. Natürlich, sagte ich, aber bitte im Garten, weil das in der Wohnung gerne eine mittelprächtige Schweinerei gäbe. Er tat wie geheißen. Artiges Kind.

Kurz danach war das Seifenblasendöppchen leer und wir saßen mit den Hundis zusammen, als Pepper plötzlich kotzte. Kann passieren bei Hunden. Dann kotzte sie noch einmal. Und noch einmal. Ich überlegte fieberhaft und fragte den Lütten, ob sie vielleicht auf dem Boden zerplatzte Seifenblasen aufgeleckt hätte. Er bejahte zögernd. Ich fing, wie jeder normale, durchschnittlich dumme Mensch an zu googeln.

Pepper kotzte erneut.

Der Lütte kam und beichtete mir, dass er Seifenblasenwasser in den Napf getan hätte. In so einem Moment nicht komplett auszurasten, gehört vermutlich zu den Königsdisziplinen als Mutter. Während Pepper wieder kotzte und dazu sabberte wie ein ausgewachsener Boxer, rief ich beim Tierarzt an, kündigte uns an und raste los.

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