Scheitern oder nicht Scheitern, das ist die Frage

Meine Mutter war letzte Woche da. Von den Schweißausbrüchen und latenten Panikattacken wegen der prä-apokalyptischen Putzaktion mal abgesehen, war das sehr, sehr schön. Ich gehöre zu den Menschen, die nicht immer eine einfache Beziehung zu ihrer Mutter hatten – aber welche Teenagerzeit war schon easypeasy? Inzwischen haben wir (das behaupte ich jetzt einfach mal) eine gute Beziehung, wir telefonieren oft, also wirklich sehr, sehr oft. Egal, ob ich im Supermarkt stehe und nicht weiß, welchen Wein ich fürs Kochen kaufen soll, oder ob ihr kurz zwischendurch vom letzten Trotzanfall des Antichristen erzählen will.

Daher hatten wir ein paar schöne Tage, haben viel gelacht und geblödelt. Letzteres vor allem, weil genetisch gesehen meine Mutter für den albernen Humor-Anteil bei mir verantwortlich ist. (Mein Vater übrigens hingegen für den sehr abgeklärten, ironischen.)

Neben der tollen Tatsache, dass sie mir Honigprinten mitgebracht hat und mir eins meiner Lieblingsgerichte gekocht hat, hatte ihre Anwesenheit aber einen weiteren, sehr vorzüglichen Vorteil: Meine Wohnung blieb auch aufgeräumt.

Denn wenn so eine Mutter ständig um einen herum ist, kann man nicht tagsüber mal kurz [sic!] netflixen, mal eben ne halbe Stunde auf dem Klo Candy Crush spielen (nicht, dass ich das machen würde natürlich, ist rein theoretisch!), oder die Wäsche einige Stunden, Tage, Wochen auf dem Sessel liegen lassen.

Es ist wie damals, als man noch zuhause gewohnt hat, nur dass man jetzt nicht darauf wartet, bis Mutti zur Ordnung mahnt.

Ich räume direkt die Spülmaschine aus, hänge direkt die Wäsche auf, mache direkt den Boden sauber, wenn die Hunde Dreck aus dem Garten reinbringen. Klingt auch irgendwie nach Druck – aber HALLO! wie schön ist bitte so eine permanent aufgeräumte, ordentliche, saubere Wohnung? Es ist zauberhaft. Und man kann sich endlich mehr auf die ganzen anderen Dinge im Leben konzentrieren.

Nun ist meine Mutter seit letztem Donnerstag wieder weg. Und ich habe es Tag für Tag geschafft, diese Ordnung beizubehalten. Ich war unendlich stolz. Ja, ich weiß, ich bin siebenunddreißig, aber sorry, schon ohne Kind und Hunde war ich die Chaotin vor dem Herrn. Ich bin ja normalerweise schon froh, wenn nicht RTL2 an der Tür klingelt, um zu fragen, ob sie meine Wohnung nicht mal für einen Frauentausch-Dreh mieten könnten. Umso glücklicher war ich, dass ich einige Tage ohne diese grundlegende Furcht leben konnte.

Gestern lief aber eher suboptimal, ich kam am Nachmittag aus dem Tritt bei meinem Tagesplan und kam bis zum Ende nicht mehr rein. Die To Dos, die es neben dem schnöden Haushalt noch gibt, fingen an, sich zu stapeln. Ich stopfte sie irgendwie in den heutigen Plan, aber auch da war der Wurm drin: Ich verschlief und offenbar reichte das aus, um meine Motivation wie eine übereifrige Pandemie in alle Windrichtungen zu zerstreuen.

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You Are The Storm

Eine kleine, mehr als passende Ergänzung von Kathrin zu meinem letzten Post. 💛

 

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Menschen müssen dringend aufhören, sich selbst als „kompliziert“/“anstrengend“ zu bezeichnen. Nur, weil du nicht wie die anderen bist, nur, weil du eben eine Persönlichkeit hast, die etwas mehr Gedanken, Verständnis und Mühe braucht, bist du nicht kompliziert oder anstrengend. Am schlimmsten ist daran, dass man sich selbst damit als ein/das Problem bezeichnet, statt zu hinterfragen, warum jede Abweichung von der Norm gleich als „anstrengend“ bezeichnet wird oder als „kompliziert“ etc. Statt liebevoll mit sich umzugehen,macht man sich selbst „schuldig“. Vielleicht sind es ja auch nämlich einfach die anderen, die nicht zu dir passen, vielleicht ist dein Umfeld nicht liebevoll und interessiert, vielleicht sagst du einfach stattdessen „komplex“. Denn das sind wir alle. Komplexe Wesen. Wer sich keine Mühe geben will mit dir, wem das zu anstrengend ist (das ist natürlich sein/ihr gutes Recht), der sagt erstmal nur das aus: dass du für IHN persönlich zu anstrengend bist. Das muss man akzeptieren. Aber daraus leitet sich nicht ab, dass deine ganze Person so ist. Also stop saying it! Such dir lieber Menschen, die dich spannend finden statt „anstrengend“, die dich interessant finden statt „kompliziert“. Und fang um Himmels Willen als Erstes damit an, dieser Mensch für dich selbst zu sein. You ARE the fucking storm Babe.

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