Trockener Fleischfresser

Ich bin in einer On-Off-Beziehung. Mit Fleisch. Die häufigste Frage, die meine Familie mir stellt, wenn ich zu Besuch komme, ist stets: „Isst du im Moment Fleisch?“ und meistens ist die Antwort dann: „Ja. Ne. Also eigentlich.. Was gibt es denn? Oh mein Gott, ist das Sauerbratenomnom!!“

Ich bin die Hl. Inkonsequentia, wenn es um Ernährung und insbesondere die vegetarische oder gar vegane Ernährung geht. Ich mag den Geschmack von Fleisch, ich würde in der Bolognese meiner Mutter baden, wenn sie nur eine ausreichende Menge herstellen würde, und manchmal habe ich eine so unmenschliche Gier nach Brötchen mit Salami, dass ich mich selbst ein wenig vor mir fürchte.

Ich gehöre zu jenen Menschen, die gerne Fleisch essen, aber bei jedem Biss, bei jedem Anbraten an die Bedingungen, unter denen mein Stück Fleisch gezüchtet, geboren, gehalten und geschlachtet worden ist, denken muss. Ich kann es nicht ausblenden, nicht ignorieren und daher auch kein Filet und keinen Burger dieser Welt wahrhaft genießen. Und ich hasse es.

Also renne ich alle paar Wochen und Monate wie ein aufgescheuchtes Huhn ins Wohnzimmer und proklamiere ein weiteres vegetarisches Zeitalter. „Okay.“ sagte der Mann dann nur kurz und ohne wirklich aufzublicken. „Du denkst, ich halte es nicht durch!“ „Doch, doch.“ „Was denkst du, wie lange ich durchhalte?“ „Einen Monat.“

Mein Problem ist weniger, dass ich wirklich schwach im Angesicht von Fleisch werde. Es fällt mir verhältnismäßig leicht komplett auf Fleisch, Wurst und Gelatine zu verzichten. Also eigentlich.
Es ist das vermeintlich ungesellige, was ich mit dem Vegetarischen verbinde. Denn der Mann ist der größte Fleischesser den ich kenne und sobald ich in der Küche auch nur an Soja denke, brüllt er mir ein unmissverständliches „NEIN!“ herüber.
Wir führen eine Mischehe und akzeptieren die Lebensweise des anderen, indem wir einfach nicht darüber reden. Aber es hat für mich dennoch etwas ungemütliches, immer wieder „getrennt“ zu kochen und zu essen. Nicht mehr zu Blockhouse oder vielen anderen Restaurants gehen zu können. Eine Extra-Wurst (!) zu bekommen, wenn man irgendwo eingeladen ist. Also gebe ich nach und weiß, dass ich niemandem die Schuld geben kann, außer mir selbst.

Aber nicht dieses Mal. Ha haha! DIESES. MAL. NICHT.

Um meine bisher eher anzweifelbare Überzeugung besser in die Tat umsetzen zu können, an meiner eigenen Konsequenz besser arbeiten zu können, habe ich mir ein superduper, voll seriöses und ernsthaftes Motivationswerkzeug ausgedacht und gebastelt, das ich nun immer bei mir trage.

Wie so ein Suchtkranker.

collage 2

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