Urlaub!

„Kommst du Fußball gucken?“ Der Mann sitzt auf dem Sofa, neben ihm artig in Reih und Glied unsere besten Freunde: Käse-Nachos, Käse-Dip und in riesigen, USA-artigen Gläsern Cola. Light natürlich, man muss ja ein bisschen auf seine Linie achten.

Ich winke ab, nuschel irgendwas in mich hinein, während ich an ihm vorbei in mein Arbeitszimmer husche. Es ist Freitag, natürlich will ich sehen, wie irgendwelche spanischen Spieler – deren Name ich nicht kenne und deren Kompetenz auf dem Rasen ich allein an ihren Frisuren und ihrem Tattoo-Geschmack ausmache – gegen irgendwelche türkischen Spieler spielen, die ich erst Recht nicht kenne und die mich noch mehr langweilen, weil in der Regel mit weniger spektakulären Frisuren.

Aber wir fahren am Sonntag in Urlaub.

Ja, Sie haben richtig gehört. Urlaub. Wie so Menschen, die, nun ja, die Urlaub machen. Mit Koffer packen und Haus verlassen und nicht arbeiten und allem, was dazu gehört. Okay, ein wenig werde ich schon arbeiten müssen, aber nur ein bisschen. Ich schwöre.

Damit es aber tatsächlich nur ein bisschen ist, muss ich jetzt alles vorbereiten. In meiner Abwesenheit gibt es keine offizielle Vertretung. Wenn ich nicht da bin, steht wortwörtlich alles still, also muss ich das jetzt machen. Neun Tage Abwesenheit komplett vorbereiten. Was tut man sich nicht alles für einen zusätzlichen Stress an, nur um dann mal ein bisschen weniger Stress zu haben? Zustände wie im düsteren Mittelalter – nur mit Koffein und einem besseren Hygieneverständnis.

Es ist mein erster Urlaub seit ewigunddreitage und auch wenn wir „nur“ an die Nordsee fahren, ist es dennoch Urlaub, denn da ist Meer und Sand zwischen den Zehen und kreischende Möwen, die einem die Pommes klauen, und frische Krabbenbrötchen und hoffentlich WLAN.

Das wird sicherlich alles sehr schön und danach wird alles ganz anders. Einfach, weil ich das gerade so beschlossen habe.

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