What’s up, Scotland?

Das ist Jessy. Jessy ist Journalistin, Autorin, Bloggerin.

Sie ist aber auch fast auf den Tag genau seit zehn Jahren meine Freundin. Sie hielt mir das schwitzende Händchen, als ich auf meinen Termin beim Gynäkologen wartete, der mir sagen sollte, dass ich nicht schwanger sei, und schlug mir Shlomo als Namen für meinen Sohn vor. Mit ihr zusammen habe ich die bizarrste Lesung aller Zeiten gehalten und sehr oft, sehr viel Kuchen und Cupcakes im Schanzenviertel schnabuliert. Sie war mein Partner in Crime bei unserem damaligen, kalorienverachtenden Foodblog und später meine Chefin – und ist bis heute weltbeste Chefredakteurin und Vorgesetzte.

Aber sie ist noch mehr.

Sie hat den Krebs besiegt, eine Weltreise gemacht, zwei Bücher geschrieben und sich um ihre Großeltern mit so viel Liebe gekümmert, das man dafür kaum Worte findet. Sie hat Hamburg hinter sich gelassen und in Berlin ein komplett neues Leben angefangen. Und sich schließlich noch einmal gefragt, was es eigentlich ist, was sie vom Leben will, was sie damit anfangen will, mit dieser kostbaren, uns durch die Finger rinnende Zeit, was es ihr bieten soll, dieses eine Leben.

Also hat sie genau das erneut komplett über den Haufen geschmissen und ist vor drei Jahren – in der sagenumwobenden Zeit von Prä-Brexit und Prä-Corona – nach Schottland ausgewandert.

Um in Glasgow zu leben, zu arbeiten und zu studieren.

Vor allem jedoch vorrangig, um uns anderen neidisch zu machen, wenn sie quer durchs raue, wunderschöne Schottland reist und uns mit Bildern von den nebelverhangenen Highlands, den verwinkelten Gassen von Glasgow, Edinburgh & Co. oder einfach nur einer kleinen Gin-Soiree auf einer Sommerwiese das Fernweh wie Heroin in unsere Venen drückt.

Ihrem Leben und Treiben in einem der sicherlich schönsten Gegenden der Erde kann man auf ihrem Blog Jessyfromtheblog folgen – oder, falls man eher bildaffin und wortfaul ist, auf ihrem Instagram-Account.

Und für all die, denen das nicht reicht, bei denen sich ebenfalls dieser unkontrollierbare Sabberschaum im Mundwinkel sammelt, wenn sie an nackelige Beine unter Kilts, frittierte Marsriegeln in Pubs oder einfach nur, wenn sie an Nebel & Regen denken, die die volle Dröhnung Alba wollen oder sogar mit dem Gedanken spielen, dorthin auszuwandern – für diese Menschen hat Jessy nun den Newsletter What’s up, Scotland? auf die Beine gestellt, den ihr hier bei steady abonnieren könnt.

Ich lege euch hiermit nicht nur ihren Newsletter ans Herz, sondern einen ganz besonderen Menschen. Jemanden, mit bemerkenswert viel Mut und Zähheit, die sich stets bemüht, die schönen Dinge im Leben zu sehen, auch wenn einem das Leben nicht nur Zitronen, sondern auch hin und wieder aufgeplatzte, eklig stinkende Müllbeutel vor die Füße rotzt. Die weiß, wie kurz und kostbar das Leben ist. Die weiß, dass es vieles gibt, das wir nicht kontrollieren können, mit dem wir umgehen müssen, das wir ertragen müssen, aber dass es eben auch sehr vieles gibt, dass wir selbst ändern können.

Die weiß, dass keiner kommen wird, damit man ein glückliches Leben führen kann, dass das keiner für einen übernimmt. Dass es nur einen gibt, der einem genau das ermöglichen kann: Man selbst.

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