Thank you, Alcohol

Ich trinke recht selten Alkohol. Im Grunde nie. Das war schon immer so. Als Teenager habe ich nicht verstanden, was genau der Sinn war, mir grausam schmeckende Substanzen zuzuführen, um dann einen Zustand zu erreichen, in dem mir die Kontrolle über meinen Körper entgleitet. Auf Tischen tanzen, Lieder laut singen, die ich nüchtern nicht mal leise singen würde, und/oder schließlich mit mangelnder Treffsicherheit das Porzellan mit Mageninhalten beglücken – all das fand und finde ich nur wenig verführerisch, geschweige denn cool.

Bis heute mag ich kein Bier, keinen Wein oder Sekt. Mein Schwiegervater, ein dem Weine durchaus zugetaner Mann, pflegte stets zu mir zu sagen, dass ihm Wein auch nicht schmecke, das aber egal sein, wenn man erst einmal eine Flasche intus hätte. Nun. Dagegen kann man natürlich nur schwer argumentieren. Und sicherlich gab es Momente, in denen ich auf irgendwelchen Partys oder Veranstaltungen war, in denen ich durchaus die Erfahrung machte, dass mit jedem Glas Sekt das nächste weniger scheiße schmeckt.

Das ändert aber nichts daran, dass das erste Glas weiterhin wie mit Kohlensäure versetzte Einhornpisse schmeckt. Und ich einen Sencha-Tee irgendwie vorziehe.

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2015 | Woche 7

Montag und Dienstag, wie stets, fleißig wie ein adipöses Bienchen gearbeitet, um genug schnöden Mammon zu verdienen und dem Mann im März zu seinem Geburtstag was Hübsches kaufen zu können. Was genau weiß ich noch nicht, aber so einer Zehnerpack Socken kommt ja bekanntlich nie aus der Mode.

Mittwoch Nachmittag primär Anstandswauwau gespielt: Der Sohn wird offenbar für gesellschafts- und öffentlichkeitstauglich befunden und wurde zum Spielen eingeladen. Für mich bedeutet das vor allem meine eigentlich freien Nachmittage in den Wohnzimmer mir nicht näher bekannten Müttern zu verbringen und zwei Zweijährigen dabei zuzusehen, wie sie sich abwechselnd zum Heulen bringen, weil das Konzept von Teilen und Zusammen Spielen nur rudimentär verinnerlicht wurde und vorrangig eine Idee ist, die zwar, wie so viele Ideen, hübsch klingt, aber nur in der Theorie funktioniert. Nun ja. Zumindest gab es Kekse.

Donnerstag erneut arbeiten, da ich mir dachte, so ein Dreierpack frischer Schlüppis dürfte sich im noch zu befüllenden Geschenkkorb ebenfalls ganz gut machen.

Zeitgleich lasse ich langsam jede Hoffnung fahren, bis zur Lesung am Freitag noch etwas Neues zu Papier zu bringen. Nicht, dass das irgendjemand merken würde. Aber man fühlt sich immer etwas schmutzig, wenn man auf Lesungen alte Texte liest. Und zwar nicht auf die gute, angenehme Weise.
Am nächsten Tag dann vor nicht ausverkauftem Haus, bzw. Cafe, in Rahlstedt gelesen. @Pseudonymphe wurde während des gesamten Abends nicht müde darauf hinzuweisen, dass direkt nebenan ja ein Friedhof sei. Wie symbolisch dies nun für den Abend war, lassen wir an dieser Stelle besser mal offen. Denn wir hatten Spaß, das Publikum – also meine Mutter, ihre Bridge-Runde und ein Obdachloser, der dachte, es gäbe etwas umsonst – auch.

Anschließend schnell wieder zurück nach Hamburg in die Stadt, wo @Pseudonymphe und ich den restlichen Abend in der Sofabar verbrachten und in Tequila und Rotwein badeten. Wortwörtlich. RIP geliebte Strickjacke.

Zusammfassung des Abends: Les, les. Trink, trink. Verschütt. Trink, trink. Lach, lach. Flirti, flirti. Trink, trink. Vor allem die Teile zwei, vier und sieben haben uns sehr gut gefallen und schreien geradezu nach einer regelmäßigen Wiederholung.

Samstag vorrangig damit zugebracht, so zu tun, als wäre ich noch Zwanzig und hätte nicht das Gefühl, dass mein alternder, vor sich hinrottender Körper offenbar kaum noch Alkohol verträgt. Vermutlich verwechselte er den Tequila mit Formaldehyd und versuchte sich gegen das vermeintliche Einbalsamieren zu wehren.
Der Mann, in vorauseilender Dankbarkeit seiner geilen Geburtstagsgeschenke, schenkte mir zum Valentinstag eine gefühlt 2m lange Rose, die fast schon als Baum durchgeht, und Schokolade. Da ich im Besitz von Brüsten bin, kam ich auch dieses Jahr drumrum ihm etwas zum Valentinstag kaufen zu müssen.
Nachmittag die hinreissende Idee gehabt mit dem Kind ins Einkaufszentrum zu fahren. An einem Samstag. Nachmittag. Mit einem Zweijährigen. Ohne Kinderwagen.
Unser Masochismus erreicht immer wieder neue, schwindelerregende Höhen. Auch bekannt als Fifty Shades of Kinder haben.

Sonntag dann einen Babysitter-Casting-Marathon abgehalten, um in naher Zukunft auch mal wieder Pärchenkram (jenseits von genau getimeten Schlafzimmercoitus während des Mittagsschläfchen des Antichristen) vollziehen zu können.
Die Vorstellung endlich mal wieder ins Kino zu können, um dort vermutlich nach 27 Minuten in ein tiefes, nur Eltern bekanntes Koma zu fallen, lässt mein düsteres, verdörtes Herz schneller schlagen.