1000 Fragen. Teil 1

Gut Ding will Weile haben. Zumindest sagte das meine Oma immer. Ne, stimmt gar nicht, aber es klingt auf jeden Fall wie etwas, was Omas oder generell unfassbar alte Menschen sagen, die beide Weltkriege inklusive Kaiser und Reichskanzler und Führer und so seltsame deutsche Sprichwörter wie eben „Gut Ding will Weile haben“ in ihrem Lebens- und Sprachrepertoire haben.

Jetzt hab ich den Faden verloren.

Manch einer mag sich erinnern. An damals. 2016 oder 2017 war es. Zu einer Zeit, in der wir Trump nur aus „Kevin allein in New York“ kannten, Corona lediglich ein ausländisches Bier war, bei dem keine Sau so recht wusste, was diese Zitronenschale immer sollte und in der unser größtes emotionales, kollektives Problem das therapeutische Verarbeiten des unerwarteten Ablebens von Alan Rickman und David Bowie war.

Damals, in der guten alten Zeit, in der man die Klimakatastrophe noch so geil und bequem wegleugnen konnte – und sich schon maximal öko und achtsam vorkam, wenn man zuhause ein farbenfrohes Sortiment an Jutebeuteln mit frechen Sprüchen hatte und die vegetarische Mortadella von Rügenwalder statt diesem Massentierhaltungsfleischwurstring kaufte.

Damals kaufte man auch noch Print: Es war die Phase, in der es neue Zeitschriften für Radfahrer und Biertrinken und Fans von Guido Maria Kretschmer gab. Und in einer dieser Spartenzeitschriften, Flow oder Emotion oder Happinez oder Hygge – und es kann durchaus sein, dass gar nicht alles davon real existierende Zeitschriften sind, die Grenzen zwischen ihnen sind eh fließend, es geht darin stets um Achtsamkeit und Entschleunigung und Natur und Selbstliebe, oft liegen eine Yoga-DVD oder Mandalas zum Ausmalen dabei – auf jeden Fall lag damals bei einer dieser Zeitschriften kein Buddha-Poster oder Matcha-Tee-Probe bei, sondern ein kleines Heftchen:

1.000 Fragen an dich selbst.

Jeder Blogger, der keinen Bock hatte, sich selbst Themen auszudenken, hat die damals öffentlichkeitswirksam beantwortet. Wie gesagt, das war vor Trump und dem brennenden Australien, die Themen waren dünn gesät. Ich habe das Heft ebenfalls gekauft, ebenfalls aus besagten Grund und es dann immer wieder vergessen, vermutlich kam mir stets was wichtigeres wie eine Packung Toffifee dazwischen.

Sie ahnen langsam, worauf ich hinaus will? (Chapeux übrigens, wenn Sie bis an dieser Stelle durchgehalten haben.)

Seit Jahren liegt dieses kleine Heftchen nun bei mir in der Schreibtischschublade und winkt mir jedesmal hoffnungsvoll zu, wenn ich die Schublade öffne und was raushole. Zwischendurch war mir das Gewinke dann zu viel, dieses aufdringliche „Huhu, ich bin noch da, magst mich vielleicht diese Woche beantworten, hallo? Bitte nicht die Schublade wieder zumach-„, dann war das Heftchen eine zeitlang auch mal in einer anderen Schublade, die seltener aufgemacht wurde. Weggeschmissen habe ich es dennoch nie.

Das ist so ein bisschen wie mit dem Gemüse im Kühlschrank. Beides habe ich mit dem festen Vorsatz gekauft, es zu verwenden, weil ich es für sinnvoll und durchaus mit einem gewissen Mehrwert behaftet hielt, bestrafte dann beides jedoch mit Nichtachtung, aber nur eines nahm mit der Zeit eine gerade brechreizauslösende Konsistenz, Form und Flauschigkeit an, während sich das andere unverständlicherweise weigerte zu verrotten. Vielleicht hätte ich das Gemüse mal testweise in der Schreibtischschubladen aufbewahren sollen …

Und da sind wir also. Im Jahr 2021. 1.000 Fragen. An mich selbst. In einer krakeligen Handschrift steht drunter „Übrigens, es ist völlig okay, nicht alle Fragen zu beantworten.“ Diese Information finde ich äußerst hilfreich, denn der Druck jede noch so beschissen langweilige Frage beantworten zu müssen, wäre nicht auszuhalten gewesen. Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? Mit welcher Frucht würdest du dich vergleichen? Jesusfuckingjosef. Also fangen wir doch weniger seltsamen Fragen an:

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Monatsrückblick | August 2021

5 Dinge, die ich vergangenen Monat gemacht habe:

Gehört

Vorwürfe. Von einem Arzt. Dass ich nicht früher zum Arzt gegangen bin. Habe erwidert, dass ich entgegen offenbar kursierender Gerüchte selbst kein Arzt sei und mir deswegen die Befähigung fehle, richtig einzuschätzen, wann ich zu ihm hätte kommen sollen.

Gut, vielleicht habe ich es weniger prosaisch, sondern eher motzig gesagt, aber wer legt schon Wert auf Details?

Gelesen

Angelesen. Mehrere Bücher. Da ich mich immer sehr schwer tue, zu entscheiden, was ich als nächstes lesen soll, wenn ich ein Buch beendet habe. Das kann unter Umständen einige Monate dauern.

Auf meiner aktuellen Shortlist sind:

[Jepp, das sind Amazon-Links. Nope, ich verdiene nichts daran, wenn ihr darauf klickt. Bin nämlich zu faul nachzusehen, wie das geht. Ist ein reiner Service, damit ihr selber nüschts googeln müsst. Kussi.]

Gemacht

Gekotzt. Das erste Mal seit etwa zehn Jahren und das dritte Mal in meinem Leben und daher absolut eine Erwähnung wert. Der Umstand, dass es in den hübschen Vorgarten einer russisch-orthodoxen Kirche war, ist hierbei weniger als Statement oder gar Ressentiment gegen die Kirche als solche zu verstehen – wobei letztere sicherlich im ausgeprägten Maße existiert –, sondern als puren Zufall, eine unglückliche Fügung des Universums, quasi Gottes Willen. Je nachdem, was einem lieber ist.

Die Ursache war (leider Gottes) kein geiler Abend mit zu viel Spaß und ggf. zu viel Alkohol, sondern lediglich das langweilige Resultat anhaltender Übelkeit und eines Pflaumenkuchens.

Gegessen

Pflaumenkuchen.

Gekauft

Ein Whiteboard. Klingt (ähnlich wie das Kotz-Thema) lächerlich unaufregend, aber zum einen: Welcome to my life, get used to it, zum anderen macht mich das Whiteboard maximal happy.

Es ist für mich unbeschreiblich hilfreich, meine vielen To Dos, Termine und anderen Gedankenwirrwarr zu sortieren, den Überblick zu behalten und abzuarbeiten. Geld macht vielleicht nicht glücklich. Von Geld ein Whiteboard zu kaufen, macht aber zumindest mich glücklicher.