N E U N U N D R E I S S I G

Das bin ich. Frisch gebackene Neununddreissig. Meine Geburtstage der Kindheit und Jugend sind ein wenig traumabehaftet, deswegen bin ich etwas speziell, was diesen Tag angeht. In der Regel nehme ich mir den Tag vorher und auch den danach frei. Einmal zur Vorbereitung, einmal, um an meinem Geburtstag nicht pünktlich ins Bett zu müssen und am nächsten wieder früh aufstehen zu müssen.

Wenn ich den Urlaub einreiche, heisst es meist „Höhö, Party, was?“ und ich denk dann nur „Höhö, nein.“

Keine Party. Keine Menschen. Keine Telefonate.

Am Vortag alles einkaufen und besorgen. Am Tag selbst nur Ruhe. Ausschlafen. Vielleicht Kartoffelgratin und Star Trek zum Frühstück. Vielleicht ein Buch lesen. Vielleicht was Sudoku spielen. Vielleicht geile Graupeneintopf im Bett essen. Vielleicht dreimal am Tag Siesta halten. Vielleicht Amarula zum Lunch und 1-4 Avengers-Filme am Nachmittag. Vielleicht ein Blech Brownies zum Abendessen. Nach 20 Uhr.

Vielleicht nichts davon.

Das Wichtigste ist: Es ist mein Tag. Ich bestimme. Ich muss an dem Tag gar nichts.

Mit niemandem reden. Niemanden sehen. Nichts gesundes oder fades essen. Nicht wach sein oder zu bestimmten Uhrzeiten schlafen. Nichts vernünftiges, gesundes oder erwachsenes tun. Gar nichts.

Denn wenn ich nicht an diesem Tag alles bestimmen kann, wann dann?

Ein bissel mehr Empathie

Hej. In dem Text geht es um Depressionen, psychische Krankheiten und den Umgang Nicht-Betroffener damit. Ich weiß nicht, wo Du gerade im Leben stehst, wie es Dir geht, was Dich triggert oder eben nicht. Falls Dich die zusätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema triggert, solltest Du ihn vielleicht nicht lesen. Und falls Du akut Hilfe brauchst, gibt es hier eine Übersicht von Seelsorge-Möglichkeiten (komisches Wort).

Ein paar Influencer:innen, denen ich folge, machen jetzt im Oktober inhaltlich Content zum Thema psychische Gesundheit und Depression. @wienerkind_ zum Beispiel. [Eine der wenigen Follow-Empfehlungen, die ich grundsätzlich so ausspreche.] Offenbar ist vom 8. bis 18. Oktober Woche der seelischen Gesundheit, was ich irgendwie schwierig finde, da das elf Tage sind und ich keine Ahnung habe, in welchem Multiverse eine Woche mehr als 7 Tage hat. Außerdem war gestern Europäischer Depressionstag, wobei Google auch sagt, der sei eigentlich am 1. Oktober gewesen, vielleicht handelt es sich da aber auch um den Eurasischen Depressionstag, ich finde das wirklich alles sehr verwirrend – aber ich komme vom Thema ab.

Natürlich ist es gut, wenn über das Thema psychische Gesundheit gesprochen wird. Gut und notwendig. Da zu viele Betroffene sich noch immer nicht trauen, offen darüber zu sprechen oder in ihrem Umfeld um Hilfe zu bitten.

An dieser Stelle sind sich stets alle einig, wie traurig das ist und dass die Stigmatisierung von Depressionen und ähnlichen Erkrankungen aufhören muss. Es wird genickt und geseufzt, wie schlimm das alles ist. Vielleicht teilt man noch den Link zu einer Themensendung im WDR auf WhatsApp.

Dabei bleibt es dann auch.

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