Kuckuck.

Kuckuck. Ja, ich lebe noch. Immer wieder lustig und auch ein bisschen bescheuert, wenn man seine Abstinenz irgendwo im Netz erklärt oder sagt „Hey bin wieder da, ihr habt euch sicher gefragt, wo ich war!“ – und dabei wissen wir alle ja, dass das Netz das Gedächtnis eines Hamsters hat, der zu oft durch sein Laufrad geschleudert wurde und wirklich niemand dann denkt „Oh Gott sei Dank, da isse wieder!“

Insta blieb in den vergangen Wochen und Monaten zwar weiterhin mein Lieblingsort im Netz, dem ich fast täglich eine kleine Stippvisite abgestattet habe, ansonsten hab ich mich aber recht rar gemacht. Das liegt zum einen am Job. Wenn man beruflich vierzig Stunden die Wochen damit beschäftigt ist, komplexe Dinge möglichst verständlich und in schmackhaften zielgruppengerechten Happen im Internet zu erklären und dann zuzusehen, wie andere besagte Dinge virtuell mit sehr viel Freude und einem eher fragwürdigen Sinn für deutsche Rechtschreibung anpissen, hat man nach Feierabend schlicht keinen Bock auf all die intellektuellen Friteusen, die sich Tag für Tag ihren Weg durch die Kommentarspalten dieser Welt fräsen.

Es blieb die Frage, wie mache ich zumindest auf meinem Lieblingskanal und hier in meinem Blog weiter? Mache ich es überhaupt? Und wie kriege ich zukünftig diesen Spagat zwischen dem Job und Privatem im Netz hin?

Ich brauche schließlich weiterhin meine kleine Nische, wo ich pöbeln und in der Nase popeln kann.

Wo ich Belangloses erzähle, Intimes beichte, wieso mein BH kneift oder warum ich im ICE immer als erstes den Gürtel ausziehe. Ein Ort, an dem niemand mitliest, dem ich zwei Tage später auf der Arbeit über den Weg laufe. Ich möchte nicht in einem Meeting über das Vierte Corona-Steuerhilfegesetz sitzen und wissen, dass die Kollegin Manuela Mustermann wenige Stunden vorher auf mein ungeschminktes Zähneputz-Video in den Stories mit einem lachenden Emoji reagiert habe.

Menschen aus meinem persönlichen und beruflichen Umfeld, die nicht mal wissen, wie ich meinen Kaffee trinke, müssen nicht wissen, wie und wann ich BHs trage, wie stark meine Periodenschmerzen sind und warum ich Angst habe im Winter in der Öffentlichkeit zu pupsen. (WENN DER PUPS KÖRPERTEMPERATUR HAT, KANN MAN IHN IM WINTER „DRAUSSEN“ SEHEN?!?!?)

Hin und wieder fröne ich noch der naiven Vorstellung, es gäbe weiterhin die Möglichkeit auf Privatsphäre …

… Zumindest soweit das eben möglich ist, wenn man seine Accounts unter seinem Klarnamen führt und Bücher geschrieben hat und anderen Unsinn unter demselben Namen und man schlicht keinen Bock hat, mit nem bescheuerten neuen Namen wie MissRamallalaatimtom oder Hahalustignicht_2020 neu „anzufangen“. Das erscheint mir nicht sinnvoll und auch nicht zielführend.

Was ich eigentlich sagen wollte: Kuckuck. Bin wieder da. Twitter und Instagram bleiben weiterhin erstmal geschlossen für neue Menschen. Wie es ansonsten weitergeht: Keinen Plan. Also bleibt es im Grunde wie immer. Ohne Plan, dafür mit viel Unsinn.

Vitamin D anyone?

Die Sonne blinzelt vorwurfsvoll durch die Jalousien, ihr Gemurmel, dass sie wisse, dass ich hier drin sei und das irgendwie verhaltensauffällig und nicht normal sei, schließlich scheine sie volle Möhre und vor allem hier in Hamburg müsse ich das doch wohl zu schätzen wissen, ob ich kein Vitamin D bräuchte oder warum ich bitte schön nicht wie alle anderen draußen auf einer Wiese liege, hallt in regelmäßigen Abständen durch die Wohnung.

Wie ein Echo, das man besoffen auf Wish bestellt hat.

Ich schwenke meine Packung mit den hochdosierten Vitamin-D-Tabletten in Richtung der abgedunkelten Fenster. Manchmal murre ich ein leises „Fick dich …“ dazu, manchmal ergänze ich, dass die vielen Menschen da draußen auf den Wiesen einer der Hauptgründe sind, warum ich nicht auf derselben Wiese liege. Sondern hier drin.

Dass ich grundsätzlich zum defensiven Verhalten neige – und selbst der Apothekerin in einem sehr entschuldigenden, ausführlichen Monolog zu erklären versuche, warum ich meine bestellten Medikamente erst eine Woche später abhole oder quasi einen seelisch-medizinischen Offenbarungseid gegenüber Kolleg*innen leiste, warum ich momentan eher nicht vor die Kamera will, unnötig zu erwähnen, dass weder das eine noch das andere erwartet oder gar erwünscht war –, erreicht also seinen kläglichen Höhepunkt, in dem ich einem 149.600.000 km entfernten Stern erkläre, warum ich nicht nach draußen gehen will.

„Ich habe Bereitschaft“, könnte ebenfalls ein Grund sein. Schließlich muss ich binnen 30 Minuten am Computer sitzen können, falls was ist.

Falls Gas-Gerd wodka-geschwängerte Saunen-Selfies mit Blobfisch-Putin aus dem Kreml schickt.

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