Nostalgie und Zukunftsfreude

Würde man mich direkt fragen, würde ich mich eigentlich nicht als nostalgisch bezeichnen. Aber ich bin es wohl.

Was ich vor allem gerne mache: In Fotos stöbern und schauen, wo ich vor genau einem Jahr war, was ich vor genau fünf Jahren gemacht habe, wer vor genau dreizehn Jahren eine wichtige Person in meinem Leben war. Da sind so viele Sachen, Menschen, Ereignisse, die man zu schnell vergisst und bei denen es sich durchaus lohnt, sich ihrer zu erinnern.

Dieses Foto ist aus zweierlei Gründen was besonderes. Es ist fast auf den Tag genau vor zehn Jahren entstanden. In Berlin. Offensichtlich.

Diese vollgerotzte, zu häufig nach Pipi und ungewaschenen Haaren riechende Stadt hatte es mir damals angetan. Und auch wenn ich wieder dort weggezogen bin, verschlug es mich später beruflich noch zwei Mal dorthin. Das zweite Mal endete jetzt gerade.

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Gucken oder nicht gucken? Das ist hier die Frage.

Und dann ist Dienstag, der 5. Oktober, und das Sommerhaus der Stars läuft wieder und es fühlt sich irgendwie seltsam an, als wäre man unabsichtlich in der Mediathek mit der Maus ausgerutscht und auf einer Sendung von 2009 gelandet. Denn eigentlich ist da ja dieses Gefühl, die Zeit, in der man hämisch und vor Selbstzufriedenheit fast zerfließend, irgendwelche sozial eingeschränkte Z-Promis zerriss, sei vorbei.

Denn während irgendwelche Kuppel- und Bums-Shows auf RTL2 offenbar weiterhin florieren, balancieren Sendungen wie Kampf der Realitystars, Promis unter Palmen und Sommerhaus seit etwa einem Jahr auf einem immer dünner werdenden Drahtseil ihrem eigenem Ableben entgegen.

Die Sommerhaus-Empörung des letzten Jahres (die Hartcore-Trasher erinnern sich an Andrej Mangolds unfreiwilligen Abstieg aus dem Olymp des perfekten Sunnyboys hin zur Unterwelt der meistgedissten Menschen im Internetz) war albern bis grotesk – denn die dort zelebrierte Verachtung war nicht mehr oder weniger ausgeprägt als was zuvor dort lief.

Die letzte Staffel Sommerhaus kollidierte schlicht mit dem Symptom eines veränderten Zeitgeistes.

Ob der Zeitgeist nun an sich ein besserer ist, ist ein anderes Thema. Und während Promis unter Palmen sich durch das vorzeitige Ableben eines Protagonisten um die Entscheidung, ob man den menschenverachtende Aussagen wie denen von Prinz Markus weiterhin unzensiert eine sprachliche Bühne geben sollte, drücken konnte, ist RTL einfach alles egal.

Schließlich haftet RTL selbst nichts an – die vormals artikulierte Scheiße haftet lediglich an den Schuhen von Mangold, Lange & Co., nicht an der Produktion selbst. Wo kämen wir denn dahin, wenn eine Produktion inhaltliche Verantwortung übernehmen würde. LOL. (Sat1 zeigt ja aktuell bei dieser einen Sache, die man nicht erwähnen sollte, damit man nicht verklagt wird, das sie das durchaus ähnlich sieht.)

Nein, RTL zieht das weiter durch. Man könnte natürlich denken, dass die Produktion dieses Jahr vielleicht einfach totale liebe Menschen im Sommerhaus zusammenkommen lässt. Könnte man. Bis man sieht, welche zarte Persönlichkeiten sie da so reinschicken.

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