Frau Haessy im Podcast

Als damals, so gefühlt kurz vor dem 1. Weltkrieg, mein erstes Buch erschien, hatte ich die große Freude Nicola Erdmann und der WELT ein paar unbequeme Fragen zum Muttersein zu beantworten. Quasi als ultimative Fachfrau.

Und als nun – wie gesagt, rund 100 Jahre später – mit minimaler Verspätung Buch 2 da war, haben Nicola Erdman und Julia Hackober mich zu ihrem fulminanten Podcast THE REAL WORD eingeladen, um mein in der Zwischenzeit sicherlich enorm gewachsenes Fachwissen erneut zu teilen. Ja, gut, eigentlich habe ich ein wenig rumgestottert, ein bissel philosophiert und versucht klarzustellen, dass ich nun wirklich für überhaupt nichts der Maßstab bin und erst recht nicht sein sollte, aber auch das kann ja durchaus amüsant zum Anhören sein.

Wie auch immer, wer schon immer mal meine Stimme länger als in einer 15-Sekunden-Story bei Instagram hören wollte, kann das hier tun:

Mein Gehirn und ich

Irgendwann hab ich mal gelesen, dass der durchschnittliche Mensch 14 Minuten braucht, bis er abends einschläft. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich weiß nur, dass das bei mir im Moment nicht stimmt.

Wenn ich abends endlich im Bett liege, endlich das Handy weglege, endlich das Licht ausmache, ist Kopfkirmes. Als wenn mein Gehirn nur auf diesen Moment gewartet hat. Endlich ein Moment, an dem ich nicht was mache, irgendwas, ist egal was, denn ich mache von morgens früh bis abends spät irgendwas, rotiere unermüdlich. Zum Nachdenken – keine Zeit. Keine Möglichkeit. Also nimmt mein Gehirn was es kriegen kann. In dem Fall: Die wenigen Minuten bis ich einschlafe. Beziehungsweise bis ich einschlafen sollte.

Denn nun dreht mein Gehirn noch einmal volle Lotte auf. Alles, was heute nur am Rande wahrgenommen wurde, poppt aus der Versenkung wieder nach oben. To Dos, von deren möglichen Existenz ich bis dato nichts ahnte, kriechen zwischen den Synapsen hervor. Als hätte mein Gehirn Bürgersprechstunde und versucht nun, in dieser kostbaren Zeit, den vermeintlichen 14 Minuten, alle Themen unterzubringen, die möglich sind. Und dabei die zugestandene Redezeit zu verlängern. Auf sechzehn Minuten. Zwanzig. Fünfundvierzig. Meinem Gehirn sind durchschnittliche Einschlafzeiten pupsegal. Es blubbert munter vor sich, wie ein Kleinkind, das heimlich ’ne ganze Flasche Cola gesoffen hat. 

Und mir bleibt nichts anderes übrig, als zu warten, bis es fertig ist – und wir beide endlich schlafen können. Mein Gehirn und ich.