Mein Gehirn und ich

Irgendwann hab ich mal gelesen, dass der durchschnittliche Mensch 14 Minuten braucht, bis er abends einschläft. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich weiß nur, dass das bei mir im Moment nicht stimmt.

Wenn ich abends endlich im Bett liege, endlich das Handy weglege, endlich das Licht ausmache, ist Kopfkirmes. Als wenn mein Gehirn nur auf diesen Moment gewartet hat. Endlich ein Moment, an dem ich nicht was mache, irgendwas, ist egal was, denn ich mache von morgens früh bis abends spät irgendwas, rotiere unermüdlich. Zum Nachdenken – keine Zeit. Keine Möglichkeit. Also nimmt mein Gehirn was es kriegen kann. In dem Fall: Die wenigen Minuten bis ich einschlafe. Beziehungsweise bis ich einschlafen sollte.

Denn nun dreht mein Gehirn noch einmal volle Lotte auf. Alles, was heute nur am Rande wahrgenommen wurde, poppt aus der Versenkung wieder nach oben. To Dos, von deren möglichen Existenz ich bis dato nichts ahnte, kriechen zwischen den Synapsen hervor. Als hätte mein Gehirn Bürgersprechstunde und versucht nun, in dieser kostbaren Zeit, den vermeintlichen 14 Minuten, alle Themen unterzubringen, die möglich sind. Und dabei die zugestandene Redezeit zu verlängern. Auf sechzehn Minuten. Zwanzig. Fünfundvierzig. Meinem Gehirn sind durchschnittliche Einschlafzeiten pupsegal. Es blubbert munter vor sich, wie ein Kleinkind, das heimlich ’ne ganze Flasche Cola gesoffen hat. 

Und mir bleibt nichts anderes übrig, als zu warten, bis es fertig ist – und wir beide endlich schlafen können. Mein Gehirn und ich.