Tagsüber Zirkus, abends Theater – Textauszug 02

Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich nicht die Sorge hätte, dass mein zweites Buch zukünftigen Müttern Angst mache. Weil ja alles so schlimm sei. Und eloquent wie ich bin, hab ich nur gedacht „Hä?“

Zum einen ist das eine Geschichte. Die Betonung liegt auf eine und nicht auf Geschichte – denn es wäre ja mühsam zu leugnen, dass es nicht teilweise meine Geschichte ist. Es ist die Geschichte einer Frau, einer einzelnen Mutter. Sie sagt an keiner Stelle, dass es allen so geht oder noch schlimmer: allen so gehen muss. Also liebe zukünftigen Muttis: Chillax!

Zum anderen ist die Geschichte bzw. all das, was darin passiert, nüchtern betrachtet nicht sonderlich schlimm. Es geht um alltägliche Fragen, die viele Frauen, viele Mütter, beschäftigen.

Wie kriege ich Kind und Job unter einen Deckel? Wie bleibe ich mit zu wenig Schlaf lebensfähig? Wo kommt dauernd die ganze dreckige Wäsche her? Muss ich wirklich heute frisch kochen oder kommt das Jugendamt oder die Mutter-Gestapo, wenn ich wieder Pizza bestelle? Habe ich gerade tatsächlich schon wieder einen Orgasmus vorgetäuscht? Sollte ich mir vielleicht auch so ’ne pflegeleichte Kurzhaarfrisur machen? Muss ich meine Beine wirklich rasieren oder flechte ich einfach geile Muster rein und mache einen feministischen Insta-Kanal dazu? #Beinhaarmakramee

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Jahresfuckingrückblick 2020

Guten Tag, wir haben den 8. Mai und neben mir, bzw. direkt neben der Tastatur liegt mein persönlicher Jahresrückblick von 2020. Ja, Sie haben richtig gelesen. 2020. Zwei Din A4 Seiten, handschriftlich zusammengerotzt. Jetzt könnte man sagen, puh, ein 2020-Jahresrückblick im Mai 2021, was soll das denn noch, kann man das nicht einfach lassen? Sicher. Könnte man. Wenn ich nicht so verdammt stur und trotzig wäre. Schließlich hab ich es ja aufgeschrieben. Vor Monaten. Und nur noch keine Zeit gehabt, es abzutippen.

Und seien wir doch mal ehrlich. Seit letztem Jahr ergibt doch eh alles keinen Sinn mehr. Wir wir leben, wie wir arbeiten – alles ist auf den Kopf gestellt. Warum dann also nicht einen fucking Jahresrückblick im Mai des nächsten Jahres?

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