It’s Selfie-Time

Wenn man mit sich nicht im Reinen ist, ist es gar nicht so einfach, ein Selfie zu machen, bei dessen Anblick man nicht brechen möchte.

Das Wissen, dass das nur im eigenen Kopf stattfindet, hilft nicht wirklich. Die Existenz von Make-Up und Beauty-Filtern, die zwar ein Foto hübschi machen können, aber auch nicht helfen, wenn man morgens vor dem ersten Kaffee unvorbereitet am Badezimmerspiegel vorbeischlumpft, genauso wenig.

Und dennoch war es mir wichtig, ein Selfie zu machen. Einfach, weil es nicht besser wird, es nicht zu machen. Sondern ich mich mit mir auseinandersetzen muss, wenn es anders werden soll.

Ich hatte kürzlich ein kurzes, aber sehr gutes Gespräch darüber, dass es den Weg zur Lösung meiner Problemen nicht gibt, aber dass es einen Weg gibt. Und dass ich entscheiden muss, was ich will, wie sehr ich es will. Und dass es eben ganz allein an mir liegt, etwas zu ändern. An mir, meinem Wohlbefinden, meinem Körper.

Und dazu gehört auch, die Augen nicht vor dem zu verschließen, was ist. Was geändert werden soll. In diesem Sinne: Hallo, mein Name ist Claudia, ich bin kürzlich 37 geworden und wiege (immer noch) knapp 100 Kilo.

An zumindest einem dieser drei Dinge werde ich nun etwas ändern.

I survived.

Ich bin ja ein Riesenfan, wenn es um Vorsätze geht. Ich nutze jede Gelegenheit, um mir welche zu überlegen. Monatsanfang. Sonntage. Geburtstage. Und natürlich zur Neujahr. Meistens gibt es ja so viel im eigenen Leben und am eigenen Körper was optimierungswürdig ist, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Mehr Sport machen, überhaupt Sport machen, mehr meditieren, gesünder ernähren, mit dem Rauchen aufhören, sich öfter mit Freunden verabreden, endlich Niederländisch lernen, und natürlich Klavier spielen. Den Schal von 2015 zu Ende stricken, mehr neue Gerichte ausprobieren, frischer kochen, weniger fernsehen – ich kann gar nicht aufhören!

Fast jeder von uns macht, mal mehr, mal weniger viele Vorsätze und fast jeder von uns bricht die meisten davon dann wieder. Das ist okay, das ist menschlich, das macht uns aus, auch wenn wir gerne so tun, als wäre es anders und wir alle super krass erwachsen und vernünftig und konsequent.

Ich habe mir für 2018 das erste Mal nicht groß was vorgenommen. Außer zu überleben. Ich dachte mir, das würde sicherlich genug Zeit in Anspruch nehmen, zusätzlich noch zweimal die Woche Sport zu machen oder auf Kohlenhydrate zu verzichten, erschien mir da ein bisschen kontraproduktiv.

Als ich dann durch Zufall dieses Template auf Instagram sah, dachte ich erst noch „Oh, wie nett. Eine gute Möglichkeit, das Jahr auf eine geradezu komprimierte Weise Revue passieren zu lassen.“ Wie gesagt, das dachte ich erst noch. Aber mit jedem weiteren Punkt, den ich nicht abhaken konnte, wurde mir klar, ich habe nüschts davon gemacht. Wirklich gar nichts.


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