Tag 341 von 365

Es ist geschafft. Der Kindergeburtstag ist vorbei. Ich möchte mir eine Astronautenwindeln anlegen und mich einfach nur für unbestimmte Zeit ins Bett legen. Mit niemandem reden. Nichts machen.

Die letzten zwei Wochen waren unfassbar anstrengend, nicht (nur) wegen des Geburtstages. Die Party war letztlich nur der Auslöser für ein paar wirklich harte Tage. Tage, an denen ich mich mit Taurin und Koffein wach hielt. An denen ich mit Tränen in den Augen auf dem Hundeplatz stand, weil es mir so dreckig ging. An denen ich alles hinschmeissen, mich nur verkriechen wollte. Und Tage, an denen ich das erste Mal seit über einem Jahr befürchtete, dass ich am Anfang einer depressiven Phase stehe. Dass der Hamburger Regen, das Grau, mich runterreißen würde.

Wieder waren es die Hunde, die mich auffingen. Die mich nachts nichts alleine ließen. Sich an mich kuschelten, ganz nah, mir das Gefühl gaben, eben nicht alleine zu sein.

Nun ist es geschafft. Und wie jedes Jahr sage ich mir: Das war das letzte Mal. Nächstes Jahr gibt’s nur ’nen Film und eine XXXL-Portion Popcorn für alle. Keine Motto-Party, keine Deko für 50 Euro, keine Muffins, Kuchen, Snacks und Getränke für 70 Euro, kein Bastelgedöns für über 100 Euro. Kein Stress, kein (selbst gemachter) Druck, kein Irrsinn. 

Ich habe rund 50 Ballons aufgeblasen, 30 Girlanden aufgehangen, 25 Muffins, 2 Bleche Kekse und 1 Kuchen gebacken, stundenlang auf Pinterest nach Inspirationen gesucht, Bastel- und Schnittvorlagen selbst erstellt, die Wohnung komplett auf links gedreht und geschrubbt und gewienert. All das neben dem normalen Wahnsinn, der ja ohnehin mein Leben ist.

In den letzten Tagen habe ich Twitter und WhatsApp gelöscht, mir eine Auszeit von Instagram & Co. genommen, meine To Dos radikal zusammengestrichen, mehr geschlafen, mir vorgenommen, nur noch bis Samstag durchzuhalten, nur noch bis Samstag, danach ist alles egal, danach kann mich 2019 am Arsch lecken, nur noch bis Samstag.

Jetzt ist der Samstag vorbei. Ich habe nicht einen einzigen Teller von der Party weggeräumt – weil Arsch lecken. Und während Emil selig mit seinen Geschenken gespielt hat, habe ich mich mit den Hunden aufs Sofa gelegt und geschlafen – weil Arsch lecken. Jetzt ist halb zwei nachts, ich esse Sushi und schaue eine Netflix-Doku über Henry Lee Lucas – weil Arsch lecken.

Das ist mein Motto für die restlichen drei Wochen: Arsch lecken. Weil ich es mir wert bin.

Tag 337 von 365

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Biziaev Artem (@biziaev.artem) am


„Du hast doch schon einen Hund, warum brauchst du noch einen?“ „Ist schon ein bisschen wie Animal Hording, nech? So viele Hunde.“ Nun. Erstens: Ich verstehe die Frage nicht. Zweitens: Nein, ist es nicht, du Hodenkobold. Und drittens: Halt’s Maul.

Wie oft muss ich mir sowas anhören. Zu oft, eindeutig zu oft. „Und was machst du, wenn du mal in Urlaub fahren willst?“ „Ich fahre auch ohne Hunde nicht in Urlaub, ich mag in Urlaub fahren nicht, in Urlaub fahren ist anstrengend. „Aber stell dir mal vor, was du mit dem Geld, das du für die Hunde ausgibst, für was anderes ausgeben könntest? Mal ein paar schöne Anziehsachen.“ Ich habe schon ein paar schöne Anziehsachen und solange ich mir neben Impfungen, Futter, Leckerlies und Co. jede Woche Netflix, Sushi und zwei Gläser Nutella leisten kann, scheint es ja auch nicht soo schlimm um meine Finanzen gestellt zu sein. „Du solltest deine Zeit vielleicht besser auf deinen Sohn verwenden.“ Du solltest deine Zeit vielleicht besser darauf verwenden, solche Kommentare zu vermeiden, wenn du am Leben bleiben willst.

Ich bin seit meiner Kindheit nicht so der Riesenfan von Menschen. Unter anderem, weil sie solche Sachen sagen. Weil sie meinen, mir sagen zu müssen, was ich brauche, was ich will, wie ich leben soll. Es sind übergriffige Sachen, Sachen, die nichts mit reinem Interesse zu tun haben, sondern dem in Frage stellen eines Lebensmodells. (Hunde stellen einem solche Fragen nicht, allein das spricht ja schon enorm für Hunde.)

Vor allem, da jeder Mensch letztlich sein eigenes Päckchen an vermeintlich unvernünftigen Entscheidungen durchs Leben trägt. (Glashaus, Steine, kommt euch sicher bekannt vor …) Ich habe nicht viel vor in meinem Leben bzw. ich habe sehr simple Pläne, die vorrangig damit zu tun haben, in absehbarer Zeit auf dem Land in einer Cabin zu leben. Nicht alleine, sondern mit meinen Hunden. Vielleicht mit zweien, vielleicht siebenunddreißig – so genau weiß ich das noch nicht.

Und wenn man sich nur für einen Moment mein Gesicht anguckt, wenn ich einen anderen, fremden Hund halten darf, bekommt man vielleicht ein Gefühl dafür, wie glücklich mich Hunde einfach machen und dass ich am liebsten von jeder Rasse einen zu Hause hätte. Und wer das nicht versteht, dem muss ich leider sagen, dass das nun wirklich so gar keine Rolle spielt.