Warum Vitaminzufuhr Stress für mich ist

Es ist kein Geheimnis, dass ich nun nicht gerade der ultimative Fan von Gemüse und/oder Obst bin. Entweder bin ich dagegen allergisch (ja, ich rede mit dir Honigmelone) oder aber ich verstehe den kulinarischen Sinn erst überhaupt nicht (Hallo Aubergine!) oder – und das ist zugegebenermaßen das wirklich Fatale an meiner Beziehung zu diesen Lebensmittelgruppen – ich mag sie schlicht nicht. Und selbst bei den wenigen, die ich mag, schwankt der Geschmack, was ich als Mensch, der doch arge Probleme mit Veränderungen hat, nur schwerlich gutheißen kann.

Im Grunde befinde ich mich, sobald ich in einem Anflug von Naivität mal wieder Bananen (erwähnte ich, dass ich Bananen nicht mag, sobald sie auch nur einen Hauch zu reif sind?) oder Kiwis (gegen die ich allergisch bin, was ich zu überlisten versuche, indem ich sie einfach sehr schnell esse, noch bevor mein Körper begriffen hat, was ich da esse) gekauft habe, in einem sehr gestressten Zustand bin. Denn Obst und Gemüse stirbt ja ab dem Moment, in dem man sie in den Einkaufswagen gelegt hat. Niemand weiß genau, wann sie sterben werden, nur ab wann sie eindeutig verstorben und damit nur noch für ganz Tapfere für den Verzehr geeignet sind.

Sie liegen also so da, in der Obstschale oder im Fach im Kühlschrank, und glotzen einen vorwurfsvoll an, sobald man die Küche betritt oder die Kühlschranktür aufmacht. Natürlich könnte man sie zügig verzehren, aber manche befinden sich zwar schon im Sterbeprozess, sind aber deswegen noch lange nicht reif – Fuck you, Avocado!

Man muss also gaaaanz genau den Moment abpassen, in dem diese Lebensmittel zwar reif sind und schmecken, aber noch nicht den latenten Geschmack von Verwesung und Tod in sich tragen. Gerne auch visuell vor sich hertragen (ich hasse Bananen wirklich!).

Dieser Moment kann unter Umständen sehr kurz sein – bei Avocados habe ich regelmäßig das Gefühl, es sind genau die zwei Minuten, in denen ich gerade mal auf Klo bin.

Es gilt also nicht nur, genau diesen Moment abzupassen, ich muss ja auch in genau diesem Moment überhaupt Bock und Lust und Hunger darauf haben. Habe ich aber nicht, also ganz grundsätzlich, denn seien wir ehrlich: Warum sollte ich? Also räume ich mit Atemschutzmaske und unter animalischen Würgegeräuschen alle zwei Wochen die Obst- und Gemüseherbergen in meiner Küche aus und schmeiße es weg. Yay. Nicht.

Natürlich ist mir bewusst, dass das alles suboptimal ist. Lebensmittelverschwendung auf der einen Seite, Hypovitaminose und Skorbut auf der anderen Seite. Aber es ist vermutlich auch ein bisschen Trotz, der da in mir tobt. Schließlich gibt es ja genügend Lebensmittel, die bombig schmecken, gegen die ich nicht allergisch bin und die auch nicht freudig ihrem Mindesthaltbarkeitsdatum entgegen laufen wie ein Rüde einer läufigen Hündin.

Warum ist es nicht möglich, Toffifee und Nutella und Co. mit ein bisschen mehr Vitaminen und Mineralstoffen zu versehen? So wie bei Astronautenfutter! (Alexander Gerst nimmt ja auch nicht täglich drei Rationen Frischobst zu sich.) Und wäre diese kleine, dumme Sache mit den Kalorien nicht, könnte ich allein meinen täglichen Eisenbedarf lockerflockig über Toffifee decken. Wie ungesund kann Schokolade am Ende des Tages also wirklich sein?

Wieso denken sich Menschen also alle paar Monate fancy, neue Gerichte aus, aber keiner kommt auf die Idee, die wirklich geilen Schmackofatzsachen mit ein paar Vitaminchen zusätzlich vollzupumpen? Kann doch nicht so schwer sein!

Und bis irgendein moralisch fragwürdiges Unternehmen wie Nestlé diese Marktlücke für sich entdeckt hat, balanciere ich einfach weiter auf dem schmalen Grad zwischen dem Minimum an gesunder Ernährung und dem Maximum an leeren Kohlenhydraten. Yay!

P.S.: Pro-Tipp für Apfel-Nutella-Fangirls » Die Apfelscheiben nach dem Schneiden kurz mit einem Tuch abtupfen, dann haftet das Nutella nämlich viel besser (und damit auch mehr!) daran. XOXO

DAS ENDE VON ALLEM

Hätte ich jedesmal, wenn ich als Kind von einem Erwachsenen gehört habe, ich solle meine Kindheit genießen, einen Cent bekommen, hätte ich vermutlich niemals arbeiten gehen müssen. Vielleicht war das aber auch nur bei mir so, vielleicht sind die Erwachsenen in anderen Städten, in anderen Schulen, in anderen Familien ja anders – aber ich durfte mir diesen mahnenden Satz wirklich sehr oft anhören.

Genieß diese Zeit, solange sie dauert!

Gegen mahnende Sätze an sich habe ich nichts. Die gehören ja auch quasi zur Kindheit wie die vergessene Pausenbrotstulle im Ranzen und die quälende Frage, ob man den Satz des Pythagoras wirklich irgendwann mal in seinem Leben brauchen wird.

Putz dir die Zähne, mach deine Hausaufgaben, hör auf deiner Schwester die Haare mit der Geflügelschere zu schneiden – mahnende Worte gab und gibt es als Kind im unkündbaren Abo. Nur die mahnende Worte „Geniiiieeeeß diese Zeeeeeeiiiit!“ sind so hohl, dass man sie sicherlich in einem der Songtexte von Julia Engelmann finden dürfte.

Ich habe als Erwachsene drei Probleme mit dieser Aufforderung:

1. Zum einen geht es nicht darum, etwas Konkretes wertzuschätzen.

Zum Beispiel das Meerschweinchen, das man zum Geburtstag bekommen hat. Oder den Schokoriegel, den man gerade im Begriff ist, zu inhalieren. Nein, stattdessen geht es um „die eigene Kindheit und Jugend“. Abstrakter geht es wohl kaum. Ich meine, die Zielgruppe dieses Gesprächs sind Kinder, keine zu klein geratenen Philosophen, die sich auf dem Weg nach Athen in eine Grundschule verlaufen haben.

2. Selbst Erwachsenen fällt es bisweilen schwer, etwas wertzuschätzen, worauf sie permanent Zugriff haben.

Wir wissen, dass Millionen von Menschen in Armut und Hunger leben. Ändert das etwas an unserem allgemeinen Konsumverhalten oder unserem Umgang mit Lebensmittel? Nope. Nicht wirklich. Es reicht nicht, dass irgendeine Person daherkommt und einem, während man sabbert über seiner 20er Packung Chicken Nuggets hängt, sagt, man solle sein Essen wertschätze. Jetzt. Sofort!

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