Der schlechte Tag

„Jeder hat doch mal einen schlechten Tag,“ sagt sie und beugt sich ein bisschen nach vorne, in ihrem Gesicht zuckt keine Miene, sie meint es ernst. „Ich hab auch schon mal ’nen schlechten Tag!“ fügt sie hinzu und von ihrer Tonlage her könnte man auch meinen, sie erzählt ganz sachlich im Frühstücksfernsehen, welche Butter-Ersatzprodukte sie für Kuchenteig am besten findet.

Mein rechtes Augenlid zuckt unmerklich. Widerstrebend unterdrücke ich den Impuls, irgendwas zu sagen. Schlicht weil es keinen Sinn macht.

Ich glaube, es gibt im Großen und Ganzen zwei verschiedene Arten von Menschen. Nein, nicht diejenigen, die Avocados mögen und die, die sie nicht mögen. Also die natürlich auch. Aber ich rede von denen, die mal ’nen schlechten Tag haben und denen, die mal einen wirklich schlechten Tag haben.

Klar, streiten wir uns alle mit anderen. Mit unserem Partner. Unserem Boss. Unseren Freunden. Oder dem Kassierer im Supermarkt. Jeder ist mal genervt. Von seinen Eltern oder den eigenen Kindern oder wem auch immer. Ist gestresst. Fühlt sich schlapp, vielleicht sogar überfordert von sich und seinem Leben.

Aber wenn die anderen davon reden, dass sie einen schlechten Tag haben, dann geht das darüber noch ein bisschen hinaus.

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2017 | Jahresrückblick

Über das Thema Vorsätze habe ich mich ja schon zur Genüge ausgelassen, was nach den ganzen Plänen für 2018 aber noch fehlt, ist der Rückblick auf 2017.

Denn wie ich schon vor einem Jahr schrub:

„[…] abgesehen von irgendwelchen Sendungen mit austauschbaren Moderationsgesichtern wie Jauch, Pilawa und Lanz, die einem nochmal aufzählen, welcher Promi alles so gestorben ist, welches Schicksal (gerne was mit Kindern oder Welpen) uns dieses Jahr besonders mitgenommen hat und wo es das schönste Happy End des Jahres gegeben hat (gerne was mit schwerer Krankheit und Heiraten), befassen wir uns irgendwie recht ungern mit dem [dahin gesiechten] Jahr.

Also mit dem, was wir selbst in den vergangenen zwölf Monaten so gemacht haben. Denn unabhängig von den ganzen Promis, die im vergangenen Jahr verblichen sind, ist man selbst es ja nicht. Also verblichen. Und wenn man sich noch einmal so vor Augen führt, was man in 12 Monaten so alles gemacht, erlebt, gefühlt und gesehen hat, ist das gar nicht mal so wenig.

Halten wir also einen Moment inne für eine Ruheminute für das jüngst von uns gegangene Jahr, in dem zumindest ich eine ganze Menge gemacht habe.“

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