Das Whiteboard

Ich stehe seit etwa einer Stunde vor dem Whiteboard und starre es einfach nur an. Vielleicht sind es auch nur fünfzehn Minuten. Oder zwei. Aber das klingt nicht so dramatisch.

Es gibt keinen Grund, warum ich hier so dumm rumstehe, außer dass ich eigentlich vorhatte, es zu säubern. Und genau das eben nun nicht mache.

Ich hatte das Whiteboard in der letzten Phase des Buches gekauft. Es war sauteuer, riesig und wunderschön. Andere Menschen träumen von Einhörnern und kohlenhydratarmen Keksen, ich habe feuchte Träume von Excel-Tabellen und Whiteboards. Neben meinem Listen- und Übersichts-Fetisch hat mir das Whiteboard aber tatsächlich in den letzten Wochen mehr als einmal den literarischen Arsch gerettet und mir Klarheit verschafft, wo sonst nur koffeingetränktes Chaos herrschte.

Es war mein Kamerad. Zwar ein sehr stummer Kamerad, aber so habe ich meine Kameraden eigentlich am liebsten.

Und nun es einfach abwischen?

Es ausradieren? Sein Gedächtnis löschen? Das dumme Ding ist analog. Es würde kein Strg+Z geben. Das fühlt sich nicht richtig an. Wie bei einem uralten, zu Tode geknuddeltem Kuscheltier aus Kindertagen, bei dem man kurz überlegt, es wegzuschmeißen und sich anschließend – quasi von Schuldgefühlen dahingerafft – gleich selbst mit in die Mülltonne legen möchte.

Natürlich ist mir klar, dass ich das Whiteboard früher oder später leer wischen muss. Weil es nun mal in der Natur eines Whiteboards liegt, gewischt zu werden.

Aber für diesen Moment stehe ich einfach noch ein bisschen hier, mit dem Tuch in der Hand und starre es einfach nur unschlüssig an …