Gruppentherapie olé olé

Vor etwa 13 Jahren war ich in einer Gruppentherapie. Ja, ich weiß, was Sie jetzt denken: Ich in einer Gruppentherapie – was für eine beschissene Idee war das denn bitte? Aber was versucht man nicht alles, wenn man permanent durchs Raster der Gesellschaft fällt und schlicht versuchen will, sich anzupassen ohne parallel dabei draufzugehen?

Teil der damaligen Therapie war auch Kunsttherapie. Ich habe bis heute nicht verstanden, was das genau sollte.

Natürlich ist kreatives Arbeiten gut und kann heilsam sein. Es kann Stress abbauen. Dabei helfen sich auszudrücken, wenn einem sonst die (richtigen) Worte fehlen. Daher: An sich eine top Sache.

Aber sieben Leute mit komplett unterschiedlicher Krankheitsgeschichte in einen Raum zu werfen und als Info mehr oder weniger schlicht mitzugeben “Hier sind 27-tausend Materialien, tobt Euch aus!” scheint mir als therapeutisches Konzept dann doch nicht besonders durchdacht?

Ich meine, wir wissen ja auch alle inzwischen, wie gut Tiertherapie helfen kann – aber wenn ich eine taktile Aversion gegen Fell/Haare habe oder Delfine (und/oder Wasser?) per se scheisse finde, dann ist das eben auch nicht für jeden die richtige Therapieform.

Ich kann mich nicht wie Congo der Schimpanse einfach vor eine Leinwand setzen und meine Gefühle auf die Leinwand fließen lassen. Das letzte, was mich entspannt, ist zwei Stunden mit sieben Menschen in einem Raum sitzen zu müssen, mit denen mich als einzige die gleiche Ärztin verbindet.

Ich zeichne oder male nicht einfach mal drauflos und schaue dann, was am Ende dabei rauskommt – und tue dabei so, als sei es mir egal, wenn das Resultat so hässlich wie die Nacht ist und der einzige Ort, an dem ich es aufbewahren möchte, auf dem Boden des Mülleimers ist.

Wenn kreatives Arbeiten seit der eigenen Kindheit ein Ventil und Arbeitsmethode ist und hierfür auch auf eine bestimmte Weise durchgeführt werden muss, damit es die gewünschte Wirkung entfaltet – also Stressreduktion, temporäre Befriedigung, Hyperfokus -, dann führt das in meinem Fall dazu, dass ich zwei Stunden da einfach sitze und mich frage, was zur Hölle das hier soll.

Man kann nicht postulieren, X hat eine stressreduzierende Wirkung und davon ausgehen, dass die Ausführung von X dabei komplett scheissegal ist.

Es macht doch einen Riesenunterschied, ob ich 30 Minuten durch einen komplett einsamen Wald spaziere oder alle zehn Minuten anderen Spaziergängern oder Radfahrern begegne.

Ob ich bei gedämpften Licht und einer heißen Milch mit Honig ein Buch lese oder in einem vollen Café.

Ob ich das seidige Fell eines Langhaarchihuahuas streichle oder einen Pudel, der vor zwei Jahr das letzte Mal eine Badewanne gesehen hat. (Das verstehen nur Menschen, die schon mal einen Pudel gestreichelt haben, dessen Fellstaubtalgschicht sich dann wie ein Handschuh über die eigene Haut legte. Nomnomnom.)

Ob ich Carmina Burana in einem Edeka höre, während ich versuche mich an die Einkaufsliste zu erinnere, oder mit Kopfhörer in einem Sessel.

Es gibt tausend Dinge, die entspannend auf unsere Sinne, unser Nervensystem wirken können.

Und es gibt zehntausend Dinge, die dafür sorgen, dass sie genau den gegenteiligen Effekt haben. Weil Sinne selten allein für sich vor sich hinbrödeln. Und wir alle f*cking unterschiedlich sind.

Wie auch immer. Eigentlich wollte ich nur sagen, wie schön es war, vorgestern Nacht, das hier gezeichnet zu haben, während ich über On-Ear-Kopfhörer eine Doku über die Tokyoer Kriegsverbrecherprozesse geschaut/gehört habe. Das war entspannend für alle Sinne.

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