VICTORIA

Ab und zu gönnen wir uns den Luxus eines Babysitters und tun so, als wenn wir immer noch ein normales Paar wären, das rausgeht und Dinge macht und eben nicht um 20.37h tot auf dem Sofa liegt. Ab und zu war am vergangenen Sonntag und wir wagten den Gang ins Kino.

VICTORIA ist ein deutscher Film, der dieses Jahr auf der Berlinale lief und den Deutschen Fernsehpreis für beste Regie, beste Kamera, beste weibliche Hauptrolle, beste männliche Hauptrolle und beste Filmmusik abgeräumt hat. Bämm! Sollte als Grund reichen, sich das Ding mal anzusehen. Und angesichts der Tatsache, dass wir uns sonst nur auf Ryan-Gosling-Filme und Horror einigen können, schien das eine durchaus akzeptable Alternative.

Ganz grob zusammengefasst geht es um die Spanierin Victoria, die seit drei Monaten in Berlin lebt und offenbar noch keinen sozialen Anschluss gefunden. Das tut sie so mitleiderregend kund, dass man bedauert, kein Bolzenschussgerät dabei zu haben, das man ihr durch die Leinwand reichen kann.

Am Ende einer einsamen Club-Nacht lernt sie Sonne (Großartig wie immer: Frederick Lau), Boxer, Blinker und Fuß kennen – Nein, das sind nicht die Namen der Rentiere von Santa Claus. Während andere Frauen vermutlich das Weite gesucht hätten, vernebelt Victorias Einsamkeit ihren gesunden Menschenverstand und sie schließt sich der munteren, semi-kriminellen Truppe an.

Schnell gewinnen die Vier, und vor allem Sonne, mehr und mehr Anziehungskraft und binnen weniger Stunden baut sich eine Beziehung und Freundschaft auf, die dazu führt, dass [SPOILER!] sich Victoria unversehens als Komplizin in einem Banküberfall wiederfindet. YOLO und so.

Victorias Wechsel zwischen Traurigkeit und Lebensfreude auf der einen, die unerschütterliche Freundschaft und Loyalität der Jungs auf der anderen Seite, dazu Ereignisse, die ihren verhängnisvollen Lauf nehmen und für alle das Leben [wortwörtlich] für immer verändern werden – All das macht einen durchaus spannenden, mitreißenden Film aus.

Aber das außergewöhnliche ist wohl, dass der gesamte Film in einem Rutsch, ohne einen einzigen Schnitt gefilmt wurde. Viele Dialoge und Szenen sind außerdem improvisiert, was VICTORIA noch realistischer wirken lässt.

Für all die, die mal was anderes sehen wollen, als den normalen Hollywood-Blockbuster-Kram oder französische Filme im Original mit Unterton, sei dieser Film mehr als ans Herz gelegt. Er läuft immer noch in den kleinen Kinos.. Vielleicht ja auch noch irgendwo in eurer Nähe?

[P.S.: Der Mann zwingt mich zuzugeben, dass er den Film unbedingt sehen wollte und ich eigentlich in irgendeinen hohlen Hollywood-Blockbuster gehen wollte. So, bist du jetzt zufrieden?]

[P.P.S.: Aber wie hohl kann ein Film mit Matt Damon bitte sein? Hallo?]