Gönnen

Wissen Sie, was Ihnen gut tut? Also so richtig gut tut und glücklich macht? Ich weiß, in der Regel muss man sich das nicht extra vor Augen führen …

Man hat Feierabend und gönnt sich eben einfach einen gemütlichen Abend vor dem Riesenfernseher mit Netflix und Ben&Jerry’s. Oder man geht Samstag Abend mit Freunden ins Kino, volles Programm mit Popcorn und Nachos für zwölfzig Millionen Euro. Oder man geht lecker essen: Geiles Sushi oder zum Lieblingsspanier im Kiez. Vielleicht belohnt man sich auch mit dem neuen Album von Lady Gaga oder einem alten Album von Rachmaninov. Oder einer richtig schönen und brutalen Thai-Massage. Oder tanzt mal wieder eine ganze Nacht durch.

Die Möglichkeiten, sich etwas zu gönnen, sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen selbst. Und meistens muss man nicht groß darüber nachdenken, was einem gut tut, man macht es intuitiv.

Nur manchmal verliert man genau das aus den Augen.

Weil man so viel zu tun hat, dass man keine Zeit für den Fernsehabend, den Kinobesuch oder den Restaurantschmaus hat. Und irgendwann – nicht über Nacht, aber nach einigen Monaten, einigen vielen Monaten, in denen man vorrangig funktionieren musste – hat man vergessen, was einem gut tut.

Es klingt ein bisschen bizarr, aber ich musste mich tatsächlich hinsetzen und mich bewusst damit auseinandersetzen, welche Dinge mir gut tun, um ihnen dann genauso bewusst auch Zeit einzuräumen. Auch wenn ich glaube, dass es vermutlich nicht gerade normal ist, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen, sollten wir das zwischendurch vielleicht alle mal machen: Sich bewusst mit den Sachen auseinandersetzen, von denen man weiß, dass sie einen glücklich(er), zufrieden(er), ausgeglichen(er) machen.

In meinem Fall sind das ganz banale Sachen wie:

  • Genügend Schlaf.
  • Heiß duschen. Und zwar richtig, richtig lange.
  • Leckeres, gutes, hochwertiges Essen.
  • Keine Diskussionen = weniger Menschen = meine Ruhe.
  • Meditieren.
  • Lesen. Und zwar Bücher. Aus Papier.
  • Ein aufgeräumtes, minimalistisches Zuhause.
  • Ausmisten, ausmisten, ausmisten.
  • Musik hören. Laut. Und mitsingen. Auch laut.
  • Zeichnen.
  • Mit der neuen Kamera rausgehen und fotografieren, bis die Speicherkarte voll ist.

Dinge, die man ganz bewusst machen sollte. Ohne nebenbei fernzusehen, das Smartphone zu checken oder sonst irgendwo rumzufingern.

Denn, sich etwas zu gönnen ist nicht die Herausforderung. Es bewusst und achtsam zu machen, schon.

Maßnahmen

„Und,“ sagt sie und schaut mir dabei tief in die Augen, ein wenig wie bei einem Bewerbungsgespräch „was hast du dir jetzt als Maßnahmen überlegt?“ Ich ersticke fast vor Schreckan an meinem Mittagessen. „Was?“ nuschle ich, während ich versuche, das Chili con Carne mäßig galant in meinem Mund zu behalten.

„Du hast doch auf deinem Blog geschrieben, dass du jetzt erkannt hast, dass du was ändern musst und dafür ’ne Axt brauchst und so!“ Verdammt. Ich hatte vergessen, dass sie den Blog liest.

„Ehm. Ja. Nein.“ stottere ich herum.

Wie ändert man sein Leben? Wenn es nicht nur darum geht, zweimal die Woche joggen zu gehen oder nicht mehr zu Rauchen? Wenn es um wesentliche Bestandteile des eigenen Lebens geht. Das Kind ist nun mal da, der Mann auch, der Job auch, das Buch ebenfalls. Sie sind da und sie gehen nicht einfach weg und das ist auch gut so, denn jeder hat eine Funktion, einen Sinn, und wären sie weg, würden dadurch andere Probleme entstehen.

Nein, das Problem bin ich.

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