Tag 2 + 3

Foto 20.06.16, 16 21 17

Ich hatte es prophezeit und es kam genauso: Regen. Regen, wie er nur hernieder prasseln kann, wenn man im Urlaub ist und Gott hämisch grinsend weiß, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als sehnsuchtsvoll vor dem Fenster zu sitzen und in Gedanken die Regentropfen abzulecken.

Ich stand kurz vor dem Lagerkoller – was aber weniger dem Regen alleine, als vielmehr der ungünstigen Kombination Dauerregen + extrem beschissenes WLAN lag. Doch der nicht existente Herrgott hatte Erbarmen mit meiner verlorenen Seele und schickte den Regen fort und die Sonne her. Der Probelauf auf den Weltuntergang blieb ein Intermezzo, den wir mit eisernem Willen und einem nicht minder eisernen Vorrat an Süßigkeiten überlebten. Hooray!

Foto 22.06.16, 19 41 25

Endlich ein Urlaubstag, den wir so verbrachten, wie es im Grundgesetz sicherlich irgendwo vorgeschrieben ist: Am Strand liegend, das überhitzte Köpfchen in der windfesten, grellbunten Strandmuschel, die allen unseren Klischee-Familien-Urlaub verdeutlichte, mit den Füßen im weichen, muscheligen Sand, umgeben von Unmengen von vagabundierenden Schwaben, die offenbar kurzfristig heimatlos geworden sind (Stichwort Überfremdung!), einer kalten Apfelschorle in der einen und einem noch kälteren Eis in der anderen Hand.

Und am Ende des Tages die Erkenntnis: Es könnte alles schlimmer sein.

Unverbesserlich

Montag, halb elf abends. Ich mache Notizen, genauer gesagt eine Liste. Ich mag Listen, sie bringen Ordnung, wo sonst nur Chaos herrscht. Listen kann man abhaken, man kann sie farbig markieren und nummerieren. Listen sind meine Freude.

Dieses Mal mache ich eine Liste mit Dingen, die ich ändern will. Ich streiche das will in der Überschrift durch und ersetze es durch werde. Klingt entschlossener, denke ich und nicke bekräftigend.

Die Liste ist sehr lang und ich bin sehr entschlossen. Das bin ich abends immer. Das ist das tückische daran. Wenn es nach meinem abendlichen Ich geht, mache ich ab Morgen jeden Tag Sport, meditiere 17 Stunden am Tag und ernähre mich die restliche Zeit vegan, kohlenhydrat- und glutenfrei, während ich Camus und Marc Aurel lese. Simultan versteht sich.

Aus irgendwelchen mysteriösen, mir völlig unverständlichen Gründen, erlischt das mutige Vorhaben, das sich in dieser oder einer ähnlich ambitionierten Form seinen Weg auf meine Listen gebahnt hat, mit dem unbarmherzigen Klingeln des Weckers am nächsten Morgen.

Mein morgendliches Ich ist kein besonders großer Fan meines abendlichen Ichs. Sie findet sie nervtötend mit ihren Ideen und Plänen und Listen, während sie selbst nur danach strebt, möglichst lange in der Horizontalen zu verharren, bitte schweigend, mit heruntergelassenen Jalousien, den sanften Klängen bekannter Streaming-Dienste lauschend, gebettet in einem Meer aus Ben&Jerry’s und Karamel-Schokolade.

Doch das abendliche Ich ist ein unverbesserliches Ich. Im positivsten Sinne. Weil es einfach nicht aufgibt. Nicht die Hoffnung und nicht sich selbst und damit sein morgendliches Pendant. Und darum geht es ja letztlich: Einfach nicht aufzugeben.