Sonntage

Es ist Sonntag. Und ich hasse Sonntage. Früher war das nicht so. Früher war Sonntag ein Tag, an dem man bis zehn, zwölf oder fünf Uhr schlafen und anschließend einfach nur im Bett rumlümmeln konnte. An dem man wahlweise dort oder vom Sofa oder einer sonstigen horizontalen Einrichtung aus, sich den restlichen Tag von Eiscreme und/oder anderen Dingen – vor deren Konsum uns Brigitte, Fit for Fun & Co. uns so eindringlich warnen – ernährte, während man einen neuen Rekord im Fernsehen, Age of Empires spielen oder Sims-im-Pool-ersaufen-lassen aufstellte.

Früher.

Heute ist der Sonntag lediglich die mahnende, vorwurfsvolle Erinnerung an einen Samstag, der genauso stressig war wie die Woche zuvor. Die Erinnerung daran, dass ein weiteres Wochenende im Begriff ist, seinem Ende entgegenzugehen, ohne dass ich es geschafft habe, meinem Körper und vor allem meinem Kopf ein wenig Ruhe und Erholung zu verschaffen. Wirkliche Erholung. Denn einmal satte acht Stunden schlafen reicht nicht aus. Einmal abends ein Fußballspiel gucken, begleitet von einem Gelage bestehend aus Honig-Senf-Chips, reicht nicht aus.

Denn plötzlich ist Sonntag und der Körper ist schwer, der Kopf ist dicht und man selbst würde am liebsten alle rausschmeissen, weil alles in einem nach Sofa, Netflix und Ben&Jerry’s schreit.

Ich hasse den Sonntag, weil ich mich umsehe und um mich herum nichts sehe, was nach Sonntag aussieht. Nach Ruhe, nach Nichtstun und nach (obwohl ich das Wort hasse) Chillen. Stattdessen Chaos, dreckiges Geschirr, Staub, Wäscheberge, Geräusche, die nicht von mir selbst verursacht werden und Menschen (formerly known as Familie), die Dinge von einem wollen. Sie alle bedeuten Arbeit und Energie. Und vor allem letzteres habe ich nicht. An einem Samstag vielleicht noch. Aber nicht mehr an einem Sonntag.

An einem Sonntag, der mir nur eines sagt: Morgen ist wieder Montag. Morgen geht es wieder los. Und wieder ist ein weiteres Wochenende um, an dem du es nicht geschafft hast, dir die Entspannung zu verschaffen, die du dringend gebraucht hättest. Eine Atempause, eine kleine nur.

Ich weiß, dass der Sonntag nichts dafür kann. Aber es ist leichter, ihn zu hassen, als die Person, die es einfach nicht hinbekommt, dass ein wenig Ruhe in ihr Leben Einzug hält.

Drei Tage

Der Moment, in dem der Körper sagte “Ich mag nicht mehr.”, war da. Endlich – könnte man fast sagen. Übelkeit, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden. Aber sowas von! Sie kamen in Wellen und vorzugsweise genau dann, wenn ich zu irgendjemandem gerade gesagt hatte: “Mir geht’s schon besser.” Als ob die Schmerzmittel in meinem Körper genau in dieser Sekunde in Streik traten, als wenn sie nur auf den Augenblick gewartet hätten, in dem ich so naiv war, derartiges zu glauben.

Der Moment war vermutlich längst überfällig. Seit fast einem Jahr treibe ich meinen unfitten Körper an seine Leistungsgrenzen, schlafe zu wenig, arbeite zu viel und gönne mir, außer seltsam unbefriedigenden Nutella-Toffifee-Käse-Nachos-Orgien, nur selten Zeit für mich, fürs Nichtstun. Drei Tage, an denen mein Körper sagte “Ich mag nicht mehr.”, an denen ich zuhause bleiben musste, nur das Nötigste von dort aus machte und ein wenig arbeitete, ansonsten schlief, gesund aß und das tat, was man in Seniorenkreisen sich schonen nennt.

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(Krankes Mädchen – Symbolbild)

Drei Tage, an denen ich nicht wusste, was los war. Ich sogar einen Schwangerschaftstest machte – man weiß ja nie und ist eine Schwangerschaft nicht eine bequemere, einfachere Antwort, als endlich, endlich, endlich seinen Alltag und sein Leben grundlegend zu ändern?

Ich habe nun, weil das so meine Art ist, einen Plan für die kommende Woche gemacht. Mit genügend Schlaf und festen Essenszeiten und Yoga und Meditation und anderem Klimmbimm. Das alles sollte nicht nötig sein, aber das ist es. Damit es so schnell nicht wieder drei weitere Tage gibt.