Ein bisschen totale Freiheit

Keine Mutter ist wie die andere. Jede hat eine andere Biografie, eine andere Geschichte, die sie zu dem Menschen gemacht hat, die sie heute ist. Jeder ist in einer Beziehung mit einem oder mehreren Menschen – mit einer ebenfalls individuellen Geschichte. Manche haben kaum Beziehungen, manche unfreiwillig, manche freiwillig. Einige haben ein Kind, einige drei, manche sogar fünf oder mehr. Und jedes davon ist ebenfalls wieder einzigartig.

Damit sind die Herausforderungen, der Alltag, die Probleme und vor allem deren Anzahl für jeden verschieden. Keine Mutter ist wie die andere.

Als ich das las, dachte ich, so unterschiedlich wir auch alle sind, die meisten von uns wünschen sich vermutlich öfter mal genau das. Nicht unbedingt den Teil mit der Bar. Sondern ein bisschen totale Freiheit, die Option spontan alles machen zu können, worauf man jetzt gerade Bock hat.

Zwei Stunden, in denen man machen kann, was man will!

Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen.

Stellt euch vor, ihr hättet jede Woche zwei Stunden in denen ihr absolut frei entscheiden könnt!

Es wäre übrigens komplett verboten, in diesen zwei Stunden etwas zu erledigen, wie Wäsche waschen oder Steuererklärung machen. Es muss etwas sein, was euren Hormonhaushalt ein bisschen durcheinanderbringt, was euer Cortisol sinken oder euer Serotonin steigen lässt, whatever!

Einfach mal zwei Stunden schlafen. Zwei Stunden auf dem Sofa zusammenlümmeln und lesen oder stricken. Zwei Stunden mit einem Freund treffen. Zwei Stunden Sex haben. Na gut, drei Minuten Sex haben und eine Stunde und 57 Minuten Kuscheln (Oxytocin for the win!). Zwei Stunden durch die Geschäfte bummeln. Zwei Stunden in die Sauna oder zum Massagestudio. Zwei Stunden spazierengehen und waldbaden. Zwei Stunden tanzen. Zwei Stunden einfach nichts tun.

Ich glaube, ich würde einfach mal die Ruhe genießen. Die wortwörtliche Ruhe. Zwei Stunden, in denen keiner im 3-Minuten-Takt zu mir kommt, um mir ein riesiges Bild von einer Alienschlacht zu zeigen, ein Lego-Flugzeug (nach seinem Absturz) oder irgendetwas, was früher entweder mal Knete oder vielleicht doch ein Popel war. Zwei Stunden, in denen niemand etwas von mir will. Niemand nach mir ruft. Niemand schreit oder was hinknallen lässt und ich nachschauen muss, ob das Kind und/oder das Mobiliar noch ganz sind.

Zwei Stunden, in denen ich weiß, dass niemand kommen wird, um etwas von mir zu wollen. Allein bei der Vorstellung sinkt mein Cortisolspiegel schon.

Was würdet ihr in den zwei Stunden machen?

Bonuslevel: Ferien mit Kind.

Ferien sind super. Jeder liebt Ferien. Oder nicht? Vor allem als Schülerin und später Studentin fand ich es großartig. Natürlich. Ich rede nicht von Urlaub oder in Urlaub fahren, sondern Ferien und die damit verbundene grenzenlose Option des Nichtstuns.

Wochen über Wochen, an denen man ins Bett gehen konnte, wann man wollte. Aufstehen, wann man Bock hatte – falls man Bock hatte. Vielleicht hat man das Frühstück ausfallen lassen und erst irgendwann mittags – wie so’n dekadenter Römer – im Liegen zu sich genommen. Oder man hat die erste Mahlzeit des Tages schon morgens um fünf, mit ordentlich Restpromille, in Form eines vollendeten Döners zelebriert. (Letzteres dann eher zu Studienzeiten)

Vielleicht hat man den ganzen Tag, auf Kissen gebetet und unter Plümos begraben, auf dem Sofa ein Buch nach dem anderen gelesen – oder Sims im Pool ersaufen lassen.

Vielleicht hat man tagelang mit niemandem gesprochen und Familienangehörige, denen man auf dem Weg zum Klo begegnete, lediglich mit einem Grunzlaut gegrüßt. Vielleicht war man jeden Abend auf Achse – wie die Jugend 1987 so schön sagte.

Vielleicht hat man auch nichts von alldem gemacht.

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Nichts muss, alles kann. Das war das Motto.

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