Feierabend

Ich sitze auf dem Sofa und trage Leggings, dicke Socken und die vermutlich hässlichste Strickjacke der Welt. Auf mir mein dickes Plumeau, darauf mein MacBook, weil ich gerade versuche, herauszufinden, wie man sich von der Bio-Lebensmittelindustrie nicht verarschen lässt und wo ich Milch von einer Kuh herbekomme, deren Leben nicht gänzlich scheiße ist und die, hätte sie denn einen Daumen und eine Pistole, sich nicht umgehend das Leben nehmen würde.

Nicht gänzlich scheiße wäre nämlich schon mal ein Anfang. Schließlich weiß ich inzwischen, dass vegan für mich genauso wenig eine langfristige Option ist, wie eine Milch zu kaufen, auf der ein Bio-Siegel klebt, das in etwa denselben Wert wie ein Glitzer-Sticker aus der Bravo hat.

Im Hintergrund kämpft der BVB gerade verbissen, aber erfolglos gegen irgendein europäisches Fürstentum, bei dem man sich die ganze Zeit vorrangig fragt, wie zur Hölle die eigentlich in die Champions League gekommen sind.

Ich könnte jetzt auch ins Bett gehen. Die monegassischen Freizeit-Franzosen haben schon zwei Tore geschossen und ich muss an das Ende von „Der mit dem Wolf tanzt“ denken. Da war das stete, aber unerfolgreiche Aufbäumen der Hauptprotagonisten ähnlich unerträglich.

Ich könnte auch auf dem MacBook was auf Netflix gucken. Ich könnte hier auf dem Sofa einschlafen. Ich könnte mir auch warmen Vanillepudding machen, ihn hier auf dem Sofa essen und danach einschlafen. Ich könnte so vieles. Geradezu alles. Oder auch nichts von alldem.

Denn das Buch ist durch. Abgegeben. Für gut befunden – oder zumindest okay – und nun schlagen sich Menschen im Verlag damit herum, meine eher dürftigen Worten in eine druckbare Form zu bringen und Absätze, Seitenumbrüche und anderen Spaß einzufügen.

Ich habe Feierabend.

Also für den Moment. Und kann mich kaum entscheiden, was ich jetzt alles machen könnte.

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„Das ist aber auch ganz schnell wieder drauf, sobald du dich wieder normal ernährst.“ sagt sie und hat etwas Triumphierendes in ihrem Blick. Als wäre ich eine unwissende Vierjährige, der man erklären muss, wie die Welt funktioniert.

Drei Kilo habe ich in einer Woche abgenommen. Manche würden sagen aufgrund veganer Mangelernährung, andere würden sagen, durch das massive Wegfallen nicht-veganer Süßigkeiten – ich persönlich glaube vor allem, dass das tägliche Fluchen, wie unbeschreiblich scheiße Soja-Produkte schmecken, mehr Kalorien verbrennt als bisher in Fachkreisen bekannt war.

So oder so. Drei Kilo sind runter. Und ich bin nicht unglücklich darüber. Mir ist klar, dass das nun nicht so weitergehen wird. Dass ich mich aber trotzdem über jedes Gramm freue, dass ich „verliere“. Und dass jedes einzelne Gramm sehr schnell wieder da ist, sollte ich ab Mai wieder täglich mein Vollbad in M&M’s, Toffifee und Nutella nehmen.

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